Der Code der "Alpha-Männchen"

14. März 2016, 12:09
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Topmanager sind zumeist selbstsicher, charismatisch, aber auch machtbesessen, ichbezogen und dominant. Wie frau ihnen gegenübertreten kann

"Würde jetzt ein Mann hereinkommen, würden wir Frauen in der einen oder anderen Weise darauf reagieren", sagt Ingrid M. Kösten, Obfrau von womanSuccess. "Einige würden sich vielleicht anders hinsetzen, lächeln", Männer wiederum würden zu Alpha-Typen mutieren: charismatisch, dominant, laut. Zu beobachten sei dieses Muster in beinahe jedem Unternehmen, bei fast jedem Meeting. Dieses meist unbewusste Verhalten – das höfliche Lächeln einerseits und das verbale Vorpreschen andererseits -, das ist Kösten wichtig, sei nicht "vererbt", geschweige denn "natürlich". Doch habe es sich in unserem (Arbeits-)Alltag festgesetzt, durch unser Handeln, durch das Handeln der anderen. Es sind alte Rollenbilder, die da zum Tragen kommen – das Fatale an ihnen: Sie bringen Nachteile für Frauen. "Vor allem wenn es darum geht, in einer Männerwelt klar und deutlich zu sagen, was ich will", erklärt Kösten.

Auf die Brust trommeln?

Unausweichlich schwebt die Frage in der Luft, wie frau sich nun verhalten möge, verhalten solle, um den Alpha-Männchen im Büro auf Augenhöhe zu begegnen. Soll sie sich etwa mit den Fäusten auf die Brust trommeln? "Es geht hier nicht um Verhaltensregeln", stellt Kösten, die als Coach, Mentorin und Trainerin arbeitet, klar. "Was wir brauchen, ist radikale Offenheit." Essenziell sei, die "Genderisierung" der Gesellschaft zu reflektieren, ebenso wie die jeweils eigene Geschichte, "um zu verstehen, wieso ich längst überholtes Rollenverhalten an den Tag lege, wie etwa die Bescheidenheit oder die übergroße Harmonie und Beziehungsorientiertheit".

Auch auf die nonverbale Kommunikation, die Kösten "Subtext des Gesprochenen" nennt, müsse dabei geachtet werden: "Sie kann entscheidend dafür sein, wie jemand wahrgenommen wird." Nämlich entweder als ebenbürtige Kollegin oder eben als lieb, nett, freundlich, anschmiegsam und biegsam.

Raum ist gleich Macht

Dann rät Kösten noch zur Arbeit an der eigenen Person: der Stimme, der Körpersprache. Denn beide seien "ein Gestaltungsmittel von Macht". Wie viel Raum jemand für sich in Anspruch nimmt, zeige, über welche Position er oder sie verfügt (oder zu verfügen meint). Beispiel Konferenzraum: "Männer sitzen breitbeinig um den Tisch herum und erzielen dadurch deutlich mehr Wirkung als Frauen, die sich mit überschlagenen Beinen in eine Ecke zwängen."

Gerade wenn sie eine Führungsrolle innehaben, würden Frauen vor wichtigen Entscheidungen oft "zurückweichen" oder umgekehrt zu hart vorgehen und "männliche Verhaltensweisen eins zu eins übernehmen, was ebenfalls nicht gut ankommt", sagt Kösten. Der Grat, den Frauen zu gehen hätten, gibt sie zu, sei ein schmaler. "Aber trotzdem ein gangbarer", sagt die Trainerin und outet sich als "leidenschaftliche Vertreterin der Weiblichkeit" – in Kombination mit einer guten Portion Selbstbewusstsein. Meint: das Wissen um eigene Kompetenzen – "zu sagen, was wir vermögen" – und um eigene Grenzen. Wer den Grat begehen wolle, müsse sich außerdem entsprechend sichern. Das könne durch Netzwerke geschehen, aber auch durch Mentoring, von älteren Kolleginnen und vor allem Kollegen. "Solidarität", sagt Kösten, "klingt heute möglicherweise altmodisch, hat aber wichtige Veränderungen hervorgebracht."

Den schmalen Grat gehen

Letzten Endes gehe es weder darum, das "Männliche" respektive das "Weibliche" zum einzig Richtigen zur erheben oder ganz aus dem Handlungsrepertoire zur streichen. "Denn ob jetzt das eine oder das andere besser ist, ist eine öde Frage, die wir in den 1980er-Jahren hatten." Besser sei, zu fragen: Was ist in der entsprechenden Situation der nützlichere Gesprächsstil? "Wenn Sie vor Ihrem CEO sitzen, ist klar, dass Sie Ihre Strategie kurz und präzise auf den Punkt bringen und nicht lang herumreden sollten. In anderen Gesprächen ist es besser, zuerst eine Beziehung herzustellen." Auf diese flexible Kommunikation gelte es auch Männer zu trainieren. (Lisa Breit, 13.3.2016)

  • Topmanager sind zumeist so genannte "Alpha"-Typen, sagt Ingrid M. Kösten, Obfrau von womanSucess: selbstbewusst, charismatisch, aber auch machtbesessen, ichbezogen und dominant.
    foto: istock

    Topmanager sind zumeist so genannte "Alpha"-Typen, sagt Ingrid M. Kösten, Obfrau von womanSucess: selbstbewusst, charismatisch, aber auch machtbesessen, ichbezogen und dominant.

  • Am Arbeitsplatz wie in der U-Bahn: Raum demonstriert Macht. Kösten rät Chefinnen daher zu großen Schreibtischen.
    foto: istock

    Am Arbeitsplatz wie in der U-Bahn: Raum demonstriert Macht. Kösten rät Chefinnen daher zu großen Schreibtischen.

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