Sachs: USA müssen sich stärker in Flüchtlingskrise einbringen

11. März 2016, 08:53
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US-Volkswirt Jeffrey Sachs nennt den EU-Deal mit der Türkei naiv und fordert die USA auf, "endlich auch Menschen aufzunehmen"

Wien – Die USA sollten nach Meinung von Jeffrey Sachs "sehr viel mehr zur Bewältigung der Flüchtlingskrise" beitragen. "Immerhin sind die Vereinigten Staaten der Verursacher dieser Krise", kritisierte der US-Ökonom am Donnerstag bei einem Besuch in Wien im Gespräch mit der APA. Der EU warf er in Bezug auf das Abkommen mit der Türkei Naivität vor.

Die Hauptschuld für die derzeitige Flüchtlingskrise tragen laut Sachs die USA, da sie "die Hauptrolle im Syrien-Krieg" spielen würden. Der Sturz von Machthaber Bashar al-Assad sei von den USA initiiert, von Saudi-Arabien finanziert und von der Türkei mitgetragen worden, "dadurch entstand die europäische Flüchtlingskrise". Daher fordert Sachs, dass sich die US-Regierung stärker engagiert. "Natürlich müssen die USA als Allererstes den Krieg beenden, dann aber dabei helfen, für die Flüchtlingskrise eine Lösung zu finden." Dazu gehöre, "endlich auch Menschen aufzunehmen. Bis jetzt haben sie das nämlich nicht", so Sachs, der seit 2002 Sonderberater für die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ist.

US-Politik in Syrien "gescheitert"

Den USA warf er eine "gescheiterte Politik" vor. Die Konsequenzen ihres Versuchs, den syrischen Machthaber Bashar al-Assad zu stürzen, seien verheerend, kritisierte Sachs. "Das ist wieder ein Beispiel dafür, dass es keine gute Idee ist, wenn außenstehende Mächte über die Regierung eines anderen Staates bestimmen wollen."

Er kritisiert aber auch den Umgang der EU mit der Flüchtlingskrise: "Die EU glaubt, Milliarden an die Türkei zu zahlen und somit Probleme zu lösen. Das ist naiv." Gefordert sei eine langfristige Problemlösung. Die Verhandlungen mit der Türkei aber seien "keine Problemlösung, sondern nur Krisenmanagement".

EU fehlt ökonomische Strategie

Auch wirtschaftlich habe Europa keinen genauen Plan, kritisierte Sachs. Es gebe keine ökonomische Strategie. "Was ist mit dem Juncker-Plan passiert?", fragt er in Bezug auf die im Vorjahr beschlossene EU-Investitionsoffensive. "Niemand hat mehr etwas davon gehört. Das ist nicht nur traurig, das ist tragisch." Denn wenn die EU keinen vorausschauenden, kühnen Plan habe, werde sich die Lage drastisch verschlechtern. "Es ist aber nicht unmöglich, einen solchen Plan erstellen." (APA, red, 11.3.2016)

  • Jeffrey Sachs nimmt Uncle Sam in der Flüchtlingskrise in die Pflicht.
    foto: apa/epa/adam warzawa

    Jeffrey Sachs nimmt Uncle Sam in der Flüchtlingskrise in die Pflicht.

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