Atrium/Meinl-Vergleich: Erste Anleger sehen Geld

11. März 2016, 07:31
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Anwalt: Reges Interesse – Die ersten 4 Mio. Euro sollen bald fließen – 60 Mio. Euro im Topf – Anmeldefrist läuft bis 18. April

Wien/Saint Helier – Acht Jahre nach dem Kurssturz der Meinl-Immobilienfirma MEL sehen betroffene Anleger doch noch Geld. Der Vergleich, den die MEL-Nachfolgefirma Atrium und die Meinl Bank über eine niederländische Stiftung anbieten, wird gut angenommen, sagt ein Stiftungsvertreter. Von 60 Mio. Euro, die im Topf sind, werden bald die ersten 4 Mio. Euro ausgezahlt. Die 90-tägige Anmeldefrist läuft bis 18. April.

Etwa 100.000 Euro sind schon geflossen, sagte der Wiener Anlegeranwalt Eric Breiteneder zur APA. Breiteneder hat im Sommer 2015 für österreichische MEL-Anleger ein Sammelverfahren in Holland initiiert. Dort laufen Massenverfahren billig und konsumentenfreundlich ab, außerdem sind Generalvergleiche möglich. Zu einem solchen haben sich Atrium und die Meinl Bank dann im Jänner durchgerungen. Je 30 Mio. Euro bieten die beiden Firmen geschädigten Anlegern. Rund 10.000 Geschädigte sollen damit erreicht werden.

Interessierte sollen, je nach Kaufzeitpunkt ihrer MEL-Papiere, 1,5 bis 70 Prozent ihres Schadens ersetzt bekommen. Die 70 Prozent gibt es nur für jene, die zwischen 9. Februar 2007 und 31. August 2007 gekauft haben. In dieser Periode ist der größte Verlust angefallen.

Es gibt allerdings eine Einschränkung: Am Vergleich über die Amsterdamer Stiftung können nur Anleger teilnehmen, die bis 20. Juni 2014 entweder eine Zivilklage eingebracht haben und/oder sich dem laufenden Meinl-Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen haben. Wenn sie die angebotene Entschädigungssumme haben wollen, müssen sie ihre Ansprüche im Strafverfahren zurückziehen. Das kommt der Meinl Bank und den Beschuldigten zupass. "Für diejenigen, die nichts gemacht haben, ist die normale zivilrechtliche Verjährung in aller Regel leider schon 2010 eingetreten", erklärt Breiteneder.

Die anderen zeigten reges Interesse an der Stiftungslösung, berichtet der Rechtsvertreter. "Jeden Tag melden sich 20 bis 30 Anleger auf der Plattform an." Auch zahlreiche Anwälte raten ihren Mandanten zur Annahme des Vergleichs. 23 von rund 60 in der MEL-Causa aktiven Rechtsvertretern haben sich auf der Plattform registriert, viele von ihnen haben für ihre Klienten bereits Daten nach Amsterdam übermittelt. Übrigens sind auch alle österreichischen Rechtsschutzversicherungen, die die Causa MEL prinzipiell decken, mit im Boot. Sie zahlen Anwälten pauschal 750 Euro für die Abwicklung der Fälle über die Stiftung.

Die Betroffenen können sich auf der Homepage (https://www.atriumclaim.com/) aber auch selbst ausrechnen, wieviel sie an Entschädigung bekommen würden.

544 Angebote sind derzeit in Bearbeitung. "Wenn wir das auszahlen, fließen rund 4 Mio. Euro", so Breiteneder.

Jedes Angebot wird von jeweils einem Atrium-, einem Meinl-Bank- und einem Stiftungsvertreter geprüft. "Wenn alle drei grünes Licht geben, schreibt der Treuhänder die Anleger bzw. deren Anwälte an. Der Interessent muss dann nur noch seinen Privatbeteiligtenanschluss zurückziehen, ihn hochladen und bekommt sein Geld überwiesen."

Eine Art Quote oder sonstige Provision müssen die Anleger nicht zahlen, betont der Anwalt. Die Kosten für die sogenannte "Stichting" übernehmen Atrium und die Meinl Bank. Wenn der Anleger-Geldtopf nicht ausgeschöpft wird, werden die Mittel an Atrium bzw. die Meinl Bank zurücküberwiesen.

Der heimische Prozessfinanzierer Advofin, der selbst viele MEL-Anleger vertritt, hat die Stiftungslösung in der Vergangenheit mehrfach scharf kritisiert. Deren Chef Franz Kallinger glaubt, dass die Anleger angesichts der zahlreichen bereits ausgesprochenen OGH-Urteile zugunsten von Geschädigten in Zivilprozessen mehr Geld herausbekommen als über die Stiftung. Advofin-Kunden, die sich trotzdem für die Holland-Variante entscheiden, müssten das Advofin-Erfolgshonorar von 34 Prozent sowie sämtliche bisher angefallene Anwaltskosten zahlen. Advofin vertritt nach eigenen Angaben rund 5.000 MEL-Anleger, hat aber erst für einen kleinen Teil tatsächlich Klagen eingebracht. (APA, 11.3.2016)

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