Klaus Schmidt: Aus dem Schatten der Wadln

11. März 2016, 10:11
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Früher war Klaus Schmidt Physiotherapeut. Derzeit bemüht sich der Steirer als Trainer mit Innsbruck um den Aufstieg ins Oberhaus. Jetzt gastiert Wacker als Tabellenführer bei Verfolger St. Pölten

Wien – Es kann immer besser laufen. Auch für Wacker Innsbruck. Auch, wenn man Tabellenführer der Sky Go Erste Liga ist. Aber es läuft recht gut, Herr Schmidt? Der Chefcoach der Tiroler bremst: "Wir sind Tabellenführer, aber das Spiel gegen den LASK hat wehgetan." In der 21. Runde traf Wacker im Spitzenspiel auf den LASK, der als Dritter und Aufstiegskandidat nach Innsbruck gekommen war. Die Gastgeber führten lange, mussten aber in der Nachspielzeit den Ausgleich zum 1:1 hinnehmen – ein Dämpfer.

Am Freitag kommt es zum Kracher gegen St. Pölten – Erster gegen Zweiter. "Vor der Saison hätten nicht viele damit gerechnet, dass in der 22. Runde das Spitzenspiel so heißt", sagt Schmidt.

Noch ungewöhnlicher ist wohl der Werdegang des Steirers. Der 49-Jährige war einer für die Muskeln, nicht für den Ball. Ein Physiotherapeut steht beim Fußball im Schatten, kümmert sich um die Fitness, massiert Oberschenkel und Wadln, gibt keine Interviews. Ein Vollzeitjob ohne Ruhm, aber mit viel Verantwortung. Beim GAK sollte sich Schmidt 1999 um die Wehwehchen kümmern und wurde später zum Co-Trainer befördert. Es folgten acht Jahre "mit allen Höhen und Tiefen". Den GAK verfolgt er noch immer. Im Stadion ist er nur selten: "Das ist emotional zu schwierig für mich. Ich verkrafte das nicht."

Mit Pepi in die Wüste

Der Weg aus der zweiten Reihe ist steinig. Schmidt assistierte Walter Schachner, Lars Söndergaard und Helmut Kraft, sammelte Erfahrungen. Daraus sollte das Potpourri "Cheftrainer Klaus Schmidt" werden. Prägend war ein Anruf aus der Wüste: Der ehemalige Teamchef Josef Hickersberger bat Schmidt, ihm als Coach bei Al-Wahli in den Arabischen Emiraten und später beim Nationalteam von Bahrain zu helfen. "Schräg", sagt Schmidt. Die Distanz zu seiner Frau und den zwei Kindern sei aber nach zwei Jahren zu viel gewesen.

Nach der Wüste war vor Kapfenberg. Märchen verlaufen normalerweise anders. Dort kümmerte er sich auch um die Nachwuchsabteilung. Nach einer Katastrophensaison in der zweiten Liga sprang er 2013 als Cheftrainer ein und rettete die Obersteirer aus der Abstiegsgefahr. Das war nicht genug: "Der Verein wollte anders weiterarbeiten. Das war eine Enttäuschung, aber man muss es nehmen, wie es kommt."

Märchen und Tradition

Vielleicht gehen Märchen so: Schmidt wurde Cheftrainer beim Traditionsverein Austria Salzburg in der Regionalliga, holte 2,76 Punkte im Schnitt und sollte nicht lange bleiben. Wacker Innsbruck klopfte im Winter an und engagierte ihn. Ein brisanter Wechsel, Salzburg und Innsbruck mögen einander nicht. Dem neuen Coach war das klar. "Natürlich besteht die Gefahr, schnell Vereinsfarben aufgemalt zu bekommen. Wenn man sich nicht identifiziert, kann man keine Erfolge feiern."

Das Potpourri schlug ein. Innsbruck stabilisierte sich nach einer grottigen Saison, spielt heuer um den Aufstieg und ist derzeit in der Pole-Position. Der Physiotherapeut rückte ins Rampenlicht: "Fitness und Körperlichkeit sind wichtige Teile meiner Trainerphilosophie. Für einen Kicker ist es schlimm, ein paar Monate seinen Beruf nicht ausüben zu können." Wäre alles anders gekommen, könnte sich Schmidt vorstellen, eine Praxis zu haben. "Aber das ist eine Momentaufnahme, fragen Sie mich in zwei Jahren wieder." Oder nach dem Spiel gegen St. Pölten. (Andreas Hagenauer, 11.3.2016)

  • Noch besser als mit dem Ball kann Innsbrucks Trainer Klaus Schmidt mit müden Muskeln umgehen.
    foto: gepa pictures/ andreas pranter

    Noch besser als mit dem Ball kann Innsbrucks Trainer Klaus Schmidt mit müden Muskeln umgehen.

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