VW manipulierte Motoren auch nach Einleitung von Ermittlungen

10. März 2016, 20:33
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Laut Medienbericht Update an illegaler Abschaltvorrichtung für den Straßenbetrieb

Wolfsburg – Die Manipulationen an Dieselmotoren im Volkswagen-Konzern waren laut einem Medienbericht offenbar umfangreicher als bisher bekannt und wurden demnach sogar noch verstärkt, als die US-Behörden bereits ermittelten.

VW habe die Manipulationssoftware in Dieselfahrzeugen überarbeitet, als die kalifornische Umweltbehörde Carb den Konzern bereits seit Monaten wegen deutlich erhöhter Abgaswerte im Visier gehabt habe, berichtete der NDR am Donnerstag unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit WDR und "Süddeutscher Zeitung".

VW-Entwickler hätten anscheinend noch zum Jahreswechsel 2014/15 die illegale Abschaltvorrichtung unbemerkt von den US-Behörden durch ein Software-Update erweitert, berichtete der Rechercheverbund. Die Motorsteuerung konnte demnach fortan noch klarer unterscheiden, ob das Auto auf einem Prüfstand getestet wurde oder auf der Straße fuhr.

Der Grund war dem Bericht zufolge offenbar, dass bei VW davon ausgegangen worden sei, dass die Fahrzeuge zuvor zu häufig auch im normalen Straßenbetrieb fälschlicherweise in den sauberen Prüfmodus geschaltet hatten. Dies führte zu einem höheren Verschleiß am Dieselpartikelfilter.

Einem VW-internen Dokument zufolge seien bis November 2014 die Partikelfilter von 6700 Dieselfahrzeugen in den USA und Kanada ausgefallen. Volkswagen erwartete demnach noch fast 50.000 weitere solcher Schadensfälle.

"Weiterer Programmcode hinzugefügt"

Mehrere Informatikexperten hatten auf Bitten des NDR die Steuerungssoftware der untersuchten US-Version des VW Passat vor und nach dem Update untersucht. Sie seien zu dem Schluss gekommen, dass in der neuen Version das Merkmal der Lenkwinkelerkennung hinzugefügt worden sei. "Im Rahmen des Updates wurde die Software so verfeinert, dass sie noch genauer erkennen kann, ob sie in einer Prüfsituation ist oder nicht", zitierte der NDR Thorsten Holz, Professor für Systemsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum.

"Es wurde ganz bewusst ein weiterer Programmcode hinzugefügt", damit das Auto nicht mehr fälschlicherweise im sauberen Prüfstandmodus fährt, sagte der Hamburger Hacker Felix Domke dem Rechercheverbund.

Die kalifornische Umweltbehörde hatte Volkswagen im Frühsommer 2014 aufgefordert, im Straßenbetrieb gemessene überhöhte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen zu erklären. VW hatte Carb dem Bericht zufolge daraufhin im Dezember 2014 einen freiwilligen Rückruf der betroffenen Fahrzeuge angeboten, um durch ein Software-Update den Ausstoß von Stickoxiden im Straßenbetrieb zu verringern.

Grenzwerte überschritten

Ab Ende Dezember 2014 wurden die mehr als 500.000 betroffenen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen. Bei 280.000 Autos sei nach VW-Angaben das Software-Update bis zum Frühjahr 2015 dann auch tatsächlich gemacht worden , berichtete der NDR.

Folgeuntersuchungen von Carb-Experten ab Mai 2015 ergaben demnach zwar, dass der Stickoxidausstoß im Straßenbetrieb durch andere Maßnahmen innerhalb des Software-Updates verringert wurde. Da die Grenzwerte jedoch weiterhin um das Fünfzehnfache überschritten wurden, habe die Behörde ihre Prüfung aber intensiviert und nach eigenen Angaben entdeckt, dass sich in Abhängigkeit von Lenkradbewegung, Geschwindigkeit, Fahrdauer und Luftdruck das Ausmaß der Abgasreinigung veränderte und die Autos die Prüfsituation erkannten.

Die Erweiterung der Software um die Erkennung des Lenkwinkels habe somit möglicherweise entscheidend dazu beigetragen, dass Carb die illegale Abschaltvorrichtung schließlich entdeckte, folgerte der NDR.

In der Autobranche wird demnach aber auch für möglich gehalten, dass es bei der Erweiterung der Software darum gegangen sei, aus legalen Gründen die Erkennung des Prüfstands zu verbessern. Wegen der zunehmenden Zahl von Fahrzeugen mit Allradantrieb sei dies notwendig gewesen, damit solch ein Auto "nicht aus Versehen vom Prüfstand" hüpft.

Volkswagen wollte sich laut NDR unter Verweis auf noch laufende interne und externe Untersuchungen nicht zu dem Bericht äußern. (APA, 10.3.2016)

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