Verbotenes Mittel, vermutete Verschwörung

10. März 2016, 17:39
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Die Meldonium-Dopingfälle häufen sich. Erwischt hat es auch den russischen Eisschnelllauf-Star Pawel Kulischnikow. Sein Verbandspräsident wittert eine Verschwörung

Moskau – Meldonium war in Russland ein Renner. Jahrelang kein Problem. Das Mittel, das offenbar leistungssteigernd wirkt, war legal – bis 31. Dezember 2015. Seit Jahresbeginn steht es auf der Dopingliste. Maria Scharapowa hat dies, eigenen Aussagen zufolge, übersehen. Die Tennisspielerin hatte am Montag von ihrer positiven Dopingprobe berichtet. Es folgten weitere Meldonium-Dopingfälle – die meisten betrafen russische Sportler. Zum Beispiel Pawel Kulischnikow – Eisschnellläufer, fünffacher Weltmeister, Weltrekordhalter über 500 m. Zuletzt holte der 21-Jährige Ende Februar Gold bei der Sprint-WM in Seoul.

"Das ist ein böser Scherz", hatte Kulischnikows Trainer Dmitri Dorofejew der Agentur Tass nach der positiven A-Probe gesagt. Sein Schützling habe schon seit einem Jahr kein Meldonium mehr genommen, sagte Dorofejew.

Verschwörung?

Aleksej Krawtsow, Präsident des russischen Eisschnelllaufverbands TFR, vermutet hinter den Dopingfällen bei russischen Eisschnellläufern gar eine Verschwörung. Kulischnikow und andere Athleten seien bereits durch Lügendetektortests entlastet.

"Im Oktober sind alle Sportler, Ärzte und Teambetreuer informiert worden, dass dieses Präparat ab Jänner auf der Liste der verbotenen Mittel steht und nicht länger benutzt werden kann. Von diesem Augenblick an haben wir es nicht mehr bestellt. Alle Vorräte, die noch vorhanden waren, wurden eingesammelt und vernichtet", sagte Krawtsow dem niederländischen TV-Sender NOS.

"Wir untersuchen zwei Möglichkeiten. Die erste ist sehr unwahrscheinlich: ein Laborfehler. Die zweite ist, dass ihnen das Präparat mit Absicht von jemandem aus ihrer direkten Umgebung gegeben wurde, um sie in Misskredit zu bringen. Dafür haben wir Hinweise, mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen", sagte Krawtsow. Kulischnikow und der Shorttrack-Olympiasieger Semjon Jelistratow hätten sich bereits einem Test am Lügendetektor gestellt. Das Ergebnis habe bestätigte, dass sie das Mittel nicht bewusst eingenommen hätten.

Versehen ausgeschlossen

Die anderen Eisschnellläufer sollen nach dem Weltcupfinale in Heerenveen am kommenden Wochenende getestet werden. Krawtsow schloss aus, dass seine Sportler das Meldonium versehentlich eingenommen hätten. "Nein, auf keinen Fall. Alle waren informiert und wussten, dass es verboten war", sagte er und ging auf Kulischnikows Dopingkontrollen während der Einzelstrecken-WM heuer in Kolomna ein.

"Als Kulischnikow am 13. Februar die 1000 m gewonnen hatte, eine Strecke, die nicht seine beste ist, hatte er auf Meldonium einen negativen Test. Am 14. Februar, als er die 500 m lief und als erklärter Favorit mit einem obligatorischen Dopingtest rechnen musste, an diesem Tag soll er ein Mittel einnehmen, das keinen direkten Einfluss auf das sportliche Ergebnis hat und ihm nichts bringt? Der Dopingtest am 13. Februar war übrigens negativ." Warum der Verband das angeblich wirkungslose Mittel zuvor massenhaft bestellt hatte, ließ er offen.

Krawtsow fürchtet für Wiederholungstäter Kulischnikow eine lebenslange Sperre, da dieser bereits als Junior eine zweijährige Dopingsperre abgesessen hatte.

Scharapowas Dank

Indes hat sich Maria Scharapowa für die Unterstützung ihrer Fans bedankt. "Ich wollte euch mitteilen, dass eure wundervollen Worte ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert haben", schrieb die 28-Jährige auf ihrer Facebook-Seite. Auch von ihrem Schlägersponsor Head wird sie unterstützt.

"Die Aufrichtigkeit und der Mut, den sie gezeigt hat, als sie ihren Fehler zugegeben hat, waren bewundernswert. Head ist stolz, Maria den Rücken zu stärken, jetzt und in Zukunft", so Geschäftsführer Johan Eliasch. (sid, red, 10.3.2016)

  • Pawel Kulischnikow wurde positiv auf Meldonium getestet.
    foto: ap/bowmer

    Pawel Kulischnikow wurde positiv auf Meldonium getestet.

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