Wenn das Mineralwasser mehr kostet als der Sprit

10. März 2016, 18:28
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Was dem Kunden an der Tankstelle durch die niedrigen Spritpreise im Börsel bleibt, gibt er gerne dort wieder aus

Wien – Die Rohölpreise sind zuletzt mit rund 40 US-Dollar je Barrel für die Nordseesorte Brent leicht gestiegen. An der Tankstelle ist Sprit aber immer noch vergleichsweise billig. Diesel kostet in der Regel etwas weniger, Benzin etwas mehr als einen Euro. Für die Literflasche Mineralwasser zahlt man in Tankstellenshops schon einmal 1,60.

Zwei mögliche Entwicklungen sieht Bernd Zierhut, Geschäftsführer der Welser Doppler-Gruppe: "Der Ölpreis steigt heuer auf 60 Dollar – oder er bleibt, wo er ist." Der Doppler-Gruppe – zweitgrößter Diskont-Tankstellenbetreiber nach der RWA-Tochter Genol – habe der niedrige Treibstoffpreis nicht geschadet. Im Geschäftsjahr 2015 wurde ein Rekordergebnis eingefahren. Das EGT stieg von 1,59 auf 4,75 Millionen Euro. Der operative Cashflow betrug 12,9 nach zuvor 8,6 Millionen Euro, der Umsatz sank leicht auf 755 Millionen. Insgesamt verkaufte Doppler um 13 Prozent mehr Diesel- und Vergaserkraftstoffe und um 23 Prozent mehr Heizöl.

Am Sprit ist nicht viel zu verdienen

Doch an den Spritpreisen – ob hoch oder niedrig – verdienen sich die heimischen Tankstellenbetreiber ohnehin keine goldene Nase. Ganz im Gegenteil, ihre Margen gehören zu den niedrigsten in Europa. 2014 blieb den Tankstellenpächtern oft weniger als ein Cent je Liter, neue Zahlen gibt es in den nächsten Wochen. Laut Christoph Capek, Geschäftsführer des WKÖ-Fachverbands Mineralölindustrie, "wird sich nichts Wesentliches ändern". Von der Gesamtzahl der rund 2.620 Tankstellen hierzulande fällt rund die Hälfte unter das Label Markentankstellen. Dazu zählen OMV, Eni, BP, Shell, Mol und Jet. Wobei die OMV mit ihren 132 Avanti-Tankstellen, die als Automatentankstellen betrieben werden, Platzhirsch ist.

Tankstelle als Dienstleistungszentrum

Wie der Trend ganz allgemein verläuft, kann man bei Doppler nachvollziehen. "Die Strategie, einerseits Tankstellen als Dienstleistungszentren auszubauen und andererseits Automatenstationen zu forcieren, ist voll aufgegangen", sagt Eigentümer Franz Joseph Doppler. Die Gruppe betreibt österreichweit 238 Tankanlagen, davon 168 unter der Marke Turmöl, 58 unter BP und zwölf unter AWI. Bei den Tankstellen machen die Nichttreibstofferlöse inzwischen zwei Drittel der Gesamterlöse aus. Im Vorjahr wurde die Kooperation mit den Spar-Express-Märkten verlängert, die Zusammenarbeit mit Nah & Frisch für kleinere Verkaufsflächen wird ausgebaut.

Denn laut Doppler ist der Kunde zwar preissensitiv, aber was er bei den Spritpreisen spart, gibt er auch gerne wieder an der Tankstelle aus, etwa für Premiumsprit. "Dem Österreicher ist sein Auto eben etwas wert." Das niedrige Spritpreisniveau kommt den Betreibern also durchaus entgegen. Das bestätigt auch Monika Matausch, Sprecherin von BP Austria: "2015 stieg der Absatz von BP-Ultimate-Kraftstoffen gegenüber 2014 um neun Prozent." Dass der Kunde nicht knausrig ist, zeigt der Preisunterschied. Der Diesel kostet um 14 Cent je Liter, Super um zwölf Cent mehr. Auch bei der OMV bestätigt man diesen Trend.

Food-Bereich wird größer

Das Geldbörsel sitzt den Kunden aber auch in den Tankstellenshops locker. In den Doppler'schen Verkaufsflächen kosten die Spareigenmarken so viel wie im Supermarkt, andere Marken rund 15 Prozent mehr. Auch bei BP wird der Food-Bereich ausgebaut. Von den 283 Standorten sind 72 mit Merkur-Shops ausgerüstet, bis Jahresende sind 80 geplant. Der Trend laut Matausch: "Convenient, frische Säfte, Panini." Dafür zahlen die Kunden zehn bis 30 Prozent mehr als im Supermarkt. Die 209 OMV-Standorte sind überwiegend mit Viva-Shops ausgerüstet. Daneben setzt die OMV als deren größter Anbieter auf Tankautomaten. Laut Sprecher "für die, die Sprit, aber sonst nichts tanken und vor allem sich nicht anstellen wollen."

Mit Strom ist laut Doppler-Geschäftsführer Zierhut noch lange nichts zu verdienen. "Die bisherigen Zahlen rechtfertigen keine großen Investitionen", sagt er. So verzeichnete die Schnellladestation in Salzburg voriges Jahr 100 Pkws. Die Investitionskosten würden für eine Station wie diese bei 90.000 Euro liegen. "Fragen Sie mich aber lieber nicht, wie viele Kunden bei der Ladestation in Wels vorbeigekommen sind." (Regina Bruckner, 10.3.2016)

  • Niedrige Spritpreise machen an der Tankstelle spendabel.
    foto: rewe

    Niedrige Spritpreise machen an der Tankstelle spendabel.

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