Balkanroute: Ein doppelter Zaun und zu viele Berge

10. März 2016, 17:25
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Bisher gibt es keine Ausweichroute, denn die Staaten haben sich darauf geeinigt, das zu verhindern

Sarajevo – Auf dem Balkan ist es zurzeit saukalt. Das verschärft die Lage für die Flüchtlinge, die nach der Schließung der Route oft im Freien hängengeblieben sind. In Idomeni sitzen etwa 14.000 Menschen fest. Langfristig sollen sie in bessere Lager in den Süden Griechenlands gebracht werden – eine Zwangsräumung schloss man am Donnerstag noch aus.

Auf der mazedonischen Seite in Gevgelija will man hingegen das Lager schließen, denn bis hierher kommt ohnehin keiner mehr durch. Das Grenzmanagement ist nun wieder so, wie es bis Mitte Juni 2015 war. Erst ab diesem Zeitpunkt durften Migranten die griechische Grenze offiziell passieren. Außerdem erlaubte man ihnen die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in Mazedonien. Dadurch etablierte sich schließlich auch die sogenannte Balkanroute.

Bisher sind keine anderen großen Ausweichrouten entstanden, und es gibt gute Gründe dafür, anzunehmen, dass dies auch nicht passieren wird. Denn auf dem Gipfel in Wien, den Außenminister Sebastian Kurz kürzlich einberufen hat, haben sich neun Staaten unter anderem darauf geeinigt, dies nicht zuzulassen. Auch Albanien, der Kosovo sowie Montenegro und Bosnien-Herzegowina sind darauf vorbereitet, die Grenzen für Flüchtlinge zu schließen.

Logistische Überforderung

Diese Staaten haben auch gute Gründe dafür. Denn die monatelange Durchreise der Flüchtlinge war bereits für Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien eine politische, logistische und finanzielle Herausforderung – und oft auch eine Überforderung. Nicht nur Ressourcen wurden dadurch gebunden – etwa bei der Polizei –, auch die gesamte Politik war monatelang nur mit diesem Thema beschäftigt.

Ein anderer Grund, der gegen Ausweichrouten spricht, ist die fehlende Verkehrsinfrastruktur in Albanien, dem Kosovo und Bosnien-Herzegowina. In diesen Staaten können Flüchtlinge nicht in großen Gruppen – wie auf der Autobahn, die durch Serbien und Kroatien verläuft – transportiert werden. Auch die Gebirgsmassive sind für ein Weiterkommen hinderlich. Und Züge gibt es sowieso nicht.

Zaun hält Flüchtlinge ab

Zudem ist die Grenzsicherung ausgebaut worden. Mazedonien exerziert bereits seit Monaten vor, dass es möglich ist, die Fluchtroute für bestimmte Gruppen zu sperren. Der doppelte Zaun ist praktisch kaum überwindbar. Sicherheitskräfte patrouillieren entlang der Grenze. Die Behörden gehen verschärft gegen Schmuggler vor.

Aber der Hauptgrund dafür, dass es für Flüchtlinge schwer sein wird, sich aus Griechenland auf dem Landweg in den Norden durchzuschlagen, ist, dass die Kooperation der Staaten sehr gut funktioniert. Informationen werden sofort weitergegeben. Anders als oft behauptet, gibt es keine nationalen Alleingänge und keine einseitigen Entscheidungen. Im Gegenteil: Die Kommunikation zwischen Skopje, Belgrad, Zagreb, Ljubljana und Wien läuft gut. Falls es Flüchtlinge über eine Grenze schaffen würden, würden sie wohl an der nächsten gestoppt.

Slowenien unterschätzt

Es ist auch nicht von ungefähr, dass Slowenien den letzten Schritt bei der Schließung der Route gemacht hat – es hatte bereits im November den ersten getan, indem es die Einreise sogenannter Nichtkriegsflüchtlinge beendet hatte. Die Rolle Sloweniens wird ohnehin oft unterschätzt. Anders als in den Balkanstaaten ist das Flüchtlingsthema dort innenpolitisch brisant – denn die Rechte hat stark zugelegt. Premier Miro Cerar hat zudem die guten Kontakte nach Skopje genutzt, die noch in die jugoslawische Zeit zurückreichen. Slowenien zeigt aber auch Solidarität mit betroffenen Staaten. Die Regierung beschloss am Donnerstag, 567 Flüchtlinge aus Griechenland und Italien aufzunehmen. (Adelheid Wölfl, 10.3.2016)

  • Dieser Flüchtling wartet in einem Zelt im Lager in Idomeni vergeblich auf eine Weiterreise auf der Balkanroute. Auch die Chancen auf ein Durchkommen auf möglichen Ausweichrouten stehen schlecht.
    foto: reuters / stoyan nenov

    Dieser Flüchtling wartet in einem Zelt im Lager in Idomeni vergeblich auf eine Weiterreise auf der Balkanroute. Auch die Chancen auf ein Durchkommen auf möglichen Ausweichrouten stehen schlecht.

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