"Shöpping" soll Post vor Kannibalismus schützen

10. März 2016, 18:33
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Der Verkauf von Transoflex legt es offen: Das Paketgeschäft der gelben Post ist ein Zwerg. Abendzustellung und "Shöpping" sollen Wachstum bringen

Wien – Mit neuen Services will die gelbe Post das durch E-Mail stetig abnehmende Briefgeschäft auffetten. Jüngstes Produkt ist "Shöpping". Die Plattform soll Handelsbetrieben helfen, ihre E-Commerce-Aktivitäten auszubauen. Bis dato würden 60 Prozent der in Österreich online bestellten Ware über Amazon und Co von Deutschland hereingeliefert. Dabei gebe es die meisten Waren auch in Österreich, aber es fehle an digitalen Vertriebsstrukturen, sagte Post-General Georg Pölzl bei Vorlage der Bilanzzahlen.

"Es ist uns bewusst, dass wir uns damit teilweise selber kannibalisieren, aber wir machen das lieber selbst, bevor wir uns von Mitbewerbern kannibalisieren lassen", räumte Pölzl ein.

Turbo im Paket

Dem Paketsektor der Post würde ein solcher Turbo wohlbekommen. Die Bilanz 2015 zeigt: Das Segment Paket & Logistik ist profitabel, wie Pölzl betont, aber ausbaufähig. Im Vorjahr brachte es – abzüglich des nun mit Verlust verkauften Zustellgeschäfts der deutschen Tochter Transoflex – schlanke 20,4 Millionen Euro an operativem Gewinn (Ebit). Inklusive der nichtcashwirksamen Transoflex-Wertminderung war die Paket-Division mit 105,6 Mio. Euro unter Wasser. Zum Vergleich: Das Ebit von Brief/Werbepost/Filialen stieg bei einem Umsatz von 1,59 Milliarden Euro um 5,4 Prozent auf 285 Mio. Euro.

Der Umsatz der Paket-Division wird durch den Wegfall der auf Pharma-Zustellung in Deutschland fokussierten Transoflex auf rund 400 Millionen Euro mehr als halbiert. Womit klar ist: Der Aufbau des Business-to-Business-Paket-Geschäfts, das der teilstaatliche Riese aus historischen Gründen (es gab seit den 1990er-Jahren eine Kooperation mit DPD) erst vor zehn Jahren begann, ist hart.

Ersatz soll unter anderem aus dem Auslandsgeschäft kommen: Im türkischen Joint Venture Aras will die Post ihren Anteil auf 50 Prozent verdoppeln – sofern die türkischen Partner den Preis nicht zu hoch treiben. Ganz zieht man sich aus dem deutschen Markt übrigens nicht zurück, im Pharma-Großhandel bleibe man aktiv.

Auf die Dividende hat all das keine Auswirkung, die Post will unverändert 75 Prozent des Gewinns an ihre Aktionäre ausschütten. Das bedeutet 1,95 Euro pro Aktie, in Summe knapp 132 Millionen Euro. Davon die Hälfte geht an den Staat, er ist über die Staatsholding Öbib mit 52,85 Prozent mit Abstand größter Aktionär. Eine verlässliche Dividendenpolitik sei wichtig, wird betont, der Cashflow sei stark genug.

Abends vor der Wohnungstür

Die geplanten Investitionen beziffert der Post-Chef mit 113 Millionen Euro – der Großteil davon für die in Bau befindliche neue Unternehmenszentrale am Wiener Rochusmarkt und Filialerneuerungen. Die rund 500 Postämter werden mittels "Wohlfühlkonzept" aufgepeppt. In Ballungsräumen will die Post mit Abendzustellung (17 bis 21 Uhr) Meter machen. Getestet wird außerdem die sogenannte "Haustürlösung", bei der eine versperrbare Box an der Wohnungstür angebracht wird, in der Zusteller Pakete deponieren).

Stichwort Dividende: Unverändert ist mit 832 Euro die Jahresprämie für die rund 18.000 Post-Bediensteten. Das Bonus-Programm für Führungskräfte schlägt mit 1,29 Mio. Euro zu Buche. Tariferhöhungen beim gemeinen Brief schließt die Post aus. (ung, 11.3.2016)

  • Post-Chef Georg Pölzl muss mit dem gelben Riesen in einem schrumpfenden Briefmarkt und einem heiß umkämpften Paketmarkt reüssieren.
    foto: reuters

    Post-Chef Georg Pölzl muss mit dem gelben Riesen in einem schrumpfenden Briefmarkt und einem heiß umkämpften Paketmarkt reüssieren.

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