"Medusa*Ode": Drama auf dem Narrenschiff

10. März 2016, 17:09
2 Postings

Théodore Géricaults Bild "Das Floß der Medusa" ist die Grundlage für ein neues Stück der Gruppe Tanz*Hotel im Odeon Theater

Wien – Wer das monumentale Gemälde "Le Radeau de la Méduse" im Pariser Louvre genau anschaut, kann das rettende Schiff sehen. Weit draußen auf dem Kamm des Horizonts im Glühen einer Gewitterwand.

Der Wiener Choreograf Bert Gstettner (Tanz*Hotel) sieht in diesem Motiv des französischen Malers Théodore Géricault ein "Spiegelbild der Gegenwart": verzweifele Schiffbrüchige auf einem aus Teilen des Schiffs Méduse zusammengeschusterten Floß im Atlantik. Die Méduse (Medusa) hat es wirklich gegeben. Sie strandete am 2. Juli 1816 40 Seemeilen vor der afrikanischen Westküste. Auch das Floß wurde gebaut. Von beinahe 150 Passagieren blieben nur 15 übrig.

Bert Gstettner hat den Künstler Hannes Mlenek und den Musiker Günther Rabl eingeladen, mit ihm an dem Bühnenwerk "Medusa*Ode" zu abeiten, das nun am Freitag und Samstag im Wiener Odeon zu sehen ist.

Géricaults Gemälde ist nicht nur ein ästhetisches Gourmetstück, sondern auch eine Reaktion auf die Debatten und den Regierungsskandal, die das Unglück nach sich zog. Denn das eigentliche Drama des Debakels ist seine Ursache: eine Mischung aus Inkompetenz und Selbstherrlichkeit, die allein – und nicht etwa "schicksalshafte" Unbilden der Natur – zur Folge hatte, dass das Schiff auf Grund lief.

Wie sehr das mit unserer politischen und wirtschaftlichen Gegenwart übereinstimmt, ist faszinierend. Verblüffend, dass diese Metapher nicht schon längst durch alle Medien segelt. Das rettende Schiff am Horizont hieß übrigens Argus. Seine Mannschaft hat die Überlebenden entdeckt und aufgefischt. Mit all diesen Implikationen nimmt das 1992 gegründete Tanz*Hotel eine echte künstlerische Herausforderung an. (Helmut Ploebst, 10.3.2016)

11. + 12. 3, Tanz*Hotel, 20.00

  • Schiffbruch als Spiegelbild der Gegenwart: "Medusa*Ode" fragt nach Ursachen des Debakels.
    foto: ernst grünwald

    Schiffbruch als Spiegelbild der Gegenwart: "Medusa*Ode" fragt nach Ursachen des Debakels.

Share if you care.