Wie sich die EZB-Entscheidung auf Sparer auswirkt

10. März 2016, 16:52
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Die Geldpolitik der Zentralbank hat Folgen für Verbraucher. Ein Überblick

Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt immer mehr Geld in den Markt. Zugleich brummt sie Banken höhere Strafzinsen auf, wenn die Institute Geld bei ihr parken. Damit sollen Mini-Inflation und schwächelnde Konjunktur angekurbelt werden. Zwar verlangen Banken und Sparkassen bisher von Durchschnittskunden noch kein Geld dafür, dass sie ihre Ersparnisse bei ihnen anlegen.

Doch die Nebenwirkungen der EZB-Geldpolitik – milliardenschwere Wertpapierkäufe, Leitzins bei null und Strafzinsen – treffen auch Verbraucher. Ein Überblick:

BESITZER VON FONDSANTEILEN: Bei Geldmarktfonds und Rentenfonds mit kurzer Laufzeit werde es bei steigenden Strafzinsen immer schwieriger, Renditen zu erzielen, heißt es etwa bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken. Im Schnitt halten die Fonds demnach drei bis fünf Prozent des Volumens liquide vor – falls Anleger Anteile zurückgeben wollen. Dieses Geld werde von einigen Banken negativ verzinst. "Die negativen Zinsen entwickeln sich zunehmend zu einer Substanzbesteuerung für die Anleger", kritisiert Frank Engels, Leiter des Bereichs Rentenfondsmanagement bei Union Investment.

LEBENSVERSICHERUNGEN: Sie leiden ohnehin seit geraumer Zeit unter den Niedrigzinsen und werfen immer weniger ab. Jetzt kommen noch die Negativzinsen hinzu. Von institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds "muss die Parkgebühr mitbezahlt werden, das können wir nicht drauflegen", sagt der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Das Problem der Lebensversicherer: Sie legen das Geld ihrer Kunden vor allem in Staatsanleihen an, die als sicher gelten. Diese werfen wegen der EZB-Geldpolitik aber kaum noch oder gar nichts mehr ab. Versicherern fällt es immer schwerer, hohe Garantieversprechen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung sinkt daher im Schnitt.

BANKGEBÜHREN/DISPOZINSEN: "Wir werden versuchen, das Thema Negativzinsen unseren Privatkunden nicht zuzumuten", sagt der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich. Allerdings könnten Geldhäuser gezwungen sein, an der Gebührenschraube zu drehen. "Jeder muss in seiner Bank überlegen, wie er über Konditionengestaltung gegen die Ertragsverluste anarbeitet, die ohne Zweifel da sind." Finanzexpertin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband geht davon aus, "dass Banken schauen, wo sie heute Geld verdienen können, weil ein Teil ihrer Einnahmen wegbricht." Aus ihrer Sicht könnte ein Zusammenhang mit den von Verbraucherschützern als überhöht kritisierten Dispozinsen bestehen.

TAGESGELD, SPARBUCH & CO: Die Lieblinge vieler Sparer in Deutschland werfen schon seit geraumer Zeit kaum noch etwas ab. "Generell ist die Zinspolitik für Verbraucher, die überwiegend in sichere Anlageprodukte investieren, kritisch", sagt Finanzexpertin Mohn. "Die Beschlüsse der EZB werden für immer mehr Menschen in der Eurozone zu einer Belastung", kritisiert der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon die EZB-Entscheidungen. Die Negativzinswelt dehne sich weiter problematisch aus.

KREDITE: Häuslbauer und andere Kreditnehmer profitieren von den Niedrigzinsen – für sie wird es günstiger. Allerdings warnte der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, jüngst: Wenn die Zinsen negativer würden, müssten Banken höhere Zinsen für Kredite fordern. (APA, 10.3.2016)

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