"ZiB 2" mit Reinhold Mitterlehner: "Das ist ja Bestellfernsehen"

10. März 2016, 16:29
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Bitte nicht bei mir deponieren, wehrte Tarek Leitner ab – Mitterlehner feilschend: "Wir hätten uns da gerne mehr eingebracht"

Reinhold Mitterlehner ist auf den Geschmack gekommen. Seit Montagabend, als ihn sein Co-Regent Werner Faymann bei "Klartext" auf ATV allein im Regen stehen ließ, macht es dem Vizekanzler sichtlich Vergnügen, im Fernsehstudio das Ruder an sich zu reißen.

Am Mittwoch, nunmehr zu Gast bei Tarek Leitner am "ZiB 2"-Tisch, holte Mitterlehner zunächst zu einer kleinen ÖVP-Selbsthuldigung aus – es redet ja eh keiner dazwischen. Und wenn doch, dann bleibt man schön unbeirrt in seinem Mantra, die von der ÖVP erfundene österreichische Flüchtlingspolitik sei sehr gut. Mildtätigkeit in Urteilssachen soll man schließlich auch gegen sich selbst walten lassen.

Wichtig sei jetzt, bitte, Herr Leitner, wie es mit der europäischen Flüchtlingspolitik weitergeht! Was in dieser Angelegenheit jeweils "die entscheidende Frage" sei, wollte Reinhold Mitterlehner gerne selbst festlegen. Tarek Leitner blieb höflich bestimmt. Aber da hatte der Vizekanzler seine berühmte Deeskalierungsstimme schon wieder erhoben: "Was Sie noch gar nicht angesprochen haben ..."

Wenn das Staatsfernsehen einem Vizekanzler wie ihm nur zwölf Minuten einräume (während der Kanzler bei Im Zentrum eine Stunde bekommen soll), dann möchte Mitterlehner dabei wenigstens nicht von Fragen gestört werden. "Das ist ja offenbar ein Bestellfernsehen." Beide mussten schmunzeln.

Bitte nicht bei mir deponieren, wehrte Tarek Leitner ab. Mitterlehner feilschend: "Wir hätten uns da gerne mehr eingebracht." Und da überkam ihn ein Solidaritätsgefühl mit den vielen anderen Unterrepräsentierten: "Wir haben ja auch noch Oppositionsparteien!" Dafür ist ihm Zuspruch sicher. (Margarete Affenzeller, 10.3.2016)

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