Unterkunftsvermittler Airbnb boomt und ärgert

10. März 2016, 16:19
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OECD sieht in ihren Mitgliedsländern weiterhin hohes Wachstum im Tourismus

Es gibt fast nichts im Tourismus, was es nicht gibt. Die Digitalisierung, einer der Hauptturbos für das rasante Wachstum der Branche, macht es möglich. Jüngster Clou ist winstonclub.com – ein Onlineportal, das Einzelreisende zusammenführt, die sich gemeinsam ein Hotelzimmer teilen und dadurch Kosten sparen möchten.

Der Gottseibeiuns der etablierten Zimmeranbieter ist Airbnb. Der 2008 im kalifornischen Silicon Valley gegründete Onlinemarktplatz für Buchung und Vermietung von Unterkünften wächst seit Jahren zweistellig. Und ärgert Hoteliers wie Stadtverwaltungen.

Vorschriften ignoriert

Es geht um Steuer- und Abgabenvorschriften sowie diverse Auflagen, die traditionelle Anbieter einhalten müssen und Private, die ihre Unterkunft über Airbnb, Wimdu oder andere Plattformen vergeben, oft ignorieren. So zumindest lautet der Vorwurf, der auch in Berlin bei der derzeit stattfindenden weltgrößten Tourismusmesse ITB zu hören ist.

"Es gibt kein 'level playing field' zwischen den neuen und den etablierten Anbietern. Die Etablierten rufen nach halbwegs gleichen Wettbewerbsbedingungen, was verständlich ist", sagte Stefan Kapferer, Vizegeneralsekretär der Industriestaatenorganisation OECD, dem STANDARD.

Sekundenschnelle Vergleiche

Statt neuer Regeln plädiert Kapferer dafür, zu prüfen, welche Vorschriften abgeschafft werden könnten. "Anhand von Onlinebewertungen kann man sich heute in Sekundenschnelle informieren, ob ein bestimmtes Hotel oder Restaurant eine gute oder weniger gute Wahl ist. Da stellt sich schon die Frage, ob eine so dichte Kontrolle durch Gesundheitsämter noch nötig, ob jede Vorschrift der Zertifizierung im Bereich der Zimmergestaltung noch zeitgemäß ist. Die Informationsmöglichkeiten der Verbraucher haben sich dank Digitalisierung stark verbessert."

Wien scheint, was die beliebtesten Reiseziele bei Airbnb betrifft, nicht unter den Top Ten auf. Dort liegen Paris, New York, London und Barcelona vorn. 6.000 Unterkünfte weist die Plattform für Wien aus. "Wir werden nicht eine Million Wohnungen durchkämmen, aber doch unmissverständlich darauf hinweisen, dass Vermieter Steuern zu zahlen und die Ortstaxe abzuführen haben", sagte der Chef von Wien Tourismus, Norbert Kettner. Dass Airbnb freiwillig Namen und Adressen der Unterkunftgeber herausrücken könnte, bezeichnete Kettner im STANDARD -Gespräch als "frommen Wunsch".

Wichtige Wachstumsstütze

Die OECD sieht im Tourismus in steigendem Ausmaß eine wichtige Stütze des Wirtschaftswachstums. "Wir sind bisher davon ausgegangen, dass das Wachstum im Tourismus künftig außerhalb der OECD-Länder stattfinden wird – eher nicht in Europa. Im Moment sind aber die Wachstumsraten in den industrialisierten Ländern höher als außerhalb", sagte OECD-Mann Kapferer. Sicherheitsüberlegungen spielten eine große Rolle. (Günther Strobl aus Berlin, 11.3.2016)

Die Reise erfolgte auf Einladung der Österreich Werbung.

  • Bei Airbnb sind Reiseziele in den USA oder in Frankreich beliebter als Wien.
    foto: ap/ben margot

    Bei Airbnb sind Reiseziele in den USA oder in Frankreich beliebter als Wien.

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