"Am Beispiel der Butter": Butterfaust mit Überbau

10. März 2016, 16:37
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Kampf gegen die Herzlosigkeit: Stück von Ferdinand Schmalz am Linzer Theater Phönix

Linz – Einer stellt sich gegen die anderen, die anderen – die repräsentieren Ordnung, besorgte Bürger und gelebte Gewalt im Hobbykeller. Im 2014 in Leipzig uraufgeführten Stück des steirischen Autors Ferdinand Schmalz (Jg. 1985) ist es der "Futterer"-Adi, der sich als Butterproduktionsleiter der Molkerei im Alpendorf gegen Ordnung und Marketingstrategie stellt.

Er verteilt regelmäßig seine Mitarbeiterration Joghurt an fremde Menschen im Zug, füttert sie mit dem Löffel. Mit einem kleinen Kniff allerdings macht Regisseurin Caroline Welzl klar, wer hier schon zu Beginn verloren hat und wer gewinnt: Nicht Joghurt, sondern Werbeaufkleber der Molkerei werden ans Publikum verteilt, als dieses Platz nimmt.

Adi (Markus Hamele) – hier mehr Hipster als Störenfried – steht die ersten Minuten still da und schüttelt sein Joghurtglas, während Molkereimanager Huber grinsend Pickerln in der ersten Reihe verteilt.

Fürs Volk bleibt Werbung, kein Joghurt. Ernüchternd, aber wahr geht es weiter. Sinnentleertes Gelächter und Gegrunze aus den Mündern von Adis Gegenspielern: Stielaugen-Jenny (Doris Hindinger), die zwar "schaut, aber nichts erkennt" und in ihrer Bahnhofsreste jede Menge Klare ausschenkt. Huber (David Fuchs), der sich die Finger niemals selbst schmutzig machen würde, und Hans (Christian Strasser), ein "Exekutivbediensteter", der im Hobbykeller die Uniform ablegt, um das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen.

Alle drei glaubwürdig herzlos und mehr als bereit, diejenigen, die zu weich sind und nicht passen, "wie ein Stück zu Butter" zu formen. Einzig Karina (Rebecca Döttl), eine neue Mitarbeiterin in der Molkerei, stellt sich auf Adis Seite.

Ein wenig selbstverliebt bemüht Schmalz in seinem Volksstück die Buttermetapher immer und immer wieder, umso präziser dafür etwa der Sprechmonolog von Hans im Hobbykeller. Insgesamt sehr empfohlen. (Wiltrud Katherina Hackl, 10.3.2016)

Linz, Theater Phönix, Spieltermine bis 17. 4., 19.30

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    foto: theater phönix
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