Ungustln, Waffenfreaks und Wirtshausbesucher: Wer an die Macht will

Blog12. März 2016, 12:00
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6.000 Unterstützungserklärungen sind eine hohe Hürde für diejenigen, die auch einmal was sagen wollen – und die Bundesregierung gleich zum Teufel schicken würden

Die Kleinen gibt es auch noch. Diejenigen, die Bundespräsident werden wollen oder zumindest die Kandidatur nutzen wollen, um auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Den meisten geht es allerdings mehr um sich als um die Anliegen. Irgendwer hat sie einmal als "Ameisen" bezeichnet – im Unterschied zu den "Elefanten". Und da sind schon ein paar recht skurrile Kandidatinnen und Kandidaten dabei. Es sind bestimmt zehn oder fünfzehn Möchtegern-Kandidaten.

Die Eintragungsfrist für die notwendigen 6.000 Unterstützungserklärungen endet am 18. März, und gerade die Kleinen, die keine Partei im Hintergrund haben, merken jetzt, wie schwierig es ist, eine ausreichende Zahl an unterstützungswilligen Bürgern auf das Gemeindeamt oder das Bezirksamt zu bringen. Da tun sich selbst die Großen schwer. Immerhin hat Irmgard Griss ihre Unterschriften beisammen, sie könnte sich zurücklehnen, will aber auf wenigstens 10.000 Erklärungen kommen.

Verdacht der Wahlbestechung

Um Richard Lugner muss man sich jedenfalls keine Sorgen machen, zumindest nicht, was seine Ambitionen anbelangt, als Kandidat zur Bundespräsidentenwahl am 24. April antreten zu wollen. Er wird die 6.000 notwendigen Unterstützungserklärungen schon irgendwie zusammenkriegen, auch wenn er seine Aktion mit den Gratis-Kinokarten erst einmal abbrechen musste. Der Vorwurf der Wahlbestechung steht im Raum, das Ministerium brachte diese Woche eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft ein, um die Rechtslage zu klären.

Lugner-Fans können sich zum Ende der Einreichfrist jedenfalls über eine Unterstützerparty mit Gulasch und Freigetränken freuen. Und es sind gar nicht so wenige Lugner-Fans, in der jüngsten Market-Umfrage für den STANDARD lag Lugner bei sieben Prozent – gleichauf mit dem ÖVP-Kandidaten Andreas Khol.

Der Marschall-Plan

Wen gibt es noch? Chancen auf die 6.000 Unterstützungserklärungen werden Robert Marschall eingeräumt, dem Kandidaten für die EU-Gegner. Und die Stimmungslage, was die EU betrifft, ist gar nicht so schlecht für den Reserveunteroffizier und Obmann der EU-Austrittspartei. Jedenfalls hat er ein klares Programm: Er fordert einen raschestmöglichen EU-Austritt Österreichs und fordert eine "sehr viel bessere Bundesregierung". Marschall würde sofortige Neuwahlen des Nationalrates durchführen lassen, dem können sicher einige etwas abgewinnen.

Eine richtige Linke

Auch Elfriede "El" Awadalla ist äußerst umtriebig. Die Mundart-Schriftstellerin ist einigen noch als Gewinnerin der Millionenshow im Jahr 2005 in Erinnerung, allerdings sei das ganze Geld schon weg. Awadalla bezeichnet sich als "eine richtige Linke", auch das könnte bei einem gewissen Publikum Gefallen finden, da man sich im Augenblick nicht des Eindrucks erwehren kann, dass alle anderen eher nach rechts rücken.

Auch Gernot Pointner möchte Bundespräsident oder zumindest Kandidat werden. Der ehemalige Polizeibeamte ist derzeit arbeitslos, hat also wenig Geld, aber viel Zeit. Er möchte positive Veränderungen bewirken und würde aus diesem Grund wie auch Marschall in seiner ersten Amtshandlung die Bundesregierung entlassen. Er hätte viel vor und würde Bundesrat, Landesregierungen und Landtage abschaffen.

Im Gasthaus zur Post

Martin Wabl ist schon drei Mal an den Unterstützungserklärungen gescheitert, probiert es aber unverdrossen ein viertes Mal. Der ehemalige Richter, Vizebürgermeister (in Fürstenfeld), Landtagsabgeordneter und Bundesrat ist eine schillernde Persönlichkeit und hat seine Partei, die SPÖ, längst hinter sich gelassen. Derzeit ist er hauptsächlich im Gasthaus zur Post "Sitt" in Fürstenfeld anzutreffen, wo er täglich mit Bürgern spricht. Er nennt das "gelebte Bürgernähe", bekennt sich zur "Bürgerphilosophie" und wird vom Verein "Mutbürger" unterstützt. Auch ihm ist die Erneuerung des Staates und der Politik ein großes Anliegen. Im Fernsehen war er auch schon, Kontakt bitte über das Gasthaus in Fürstenfeld.

Hörbares Signal

Ein weiterer potenzieller Präsidentschaftskandidat trat diese Woche mit einem "eindringlichen Appell an alle mündigen Bürger und engagierte Medien" an die Öffentlichkeit: Dr. Adrien Luxemburg nennt sich der Mann, und er hat längst noch nicht alle Unterstützungserklärungen beisammen. Daher ersucht er um ein "hörbares Signal für ein progressives und kollektives Selbstbewusstsein in Österreich", sprich um Unterstützungserklärungen. "Wenn 40 Prozent der Nichtwähler sich auf den Weg machen, wird selbst ein Erdrutschergebnis gegen die Parteikandidaten möglich sein", glaubt er. Herr Luxemburg ist gegen TTIP, gegen Ceta, gegen das Lobbyunwesen, gegen den Parteifilz, gegen Russlandsanktionen, gegen Zwangsislamisierung der Aleviten in Österreich und und und.

In schmucker Uniform

Gustav Jobstmann posiert auf seiner Homepage in schmucker Kapitänsuniform, er ist Unternehmensberater, Mediator, Menschenrechtsaktivist und einvernehmlich geschieden. Das Vertrauen der Wähler wäre ihm heilig, er bekennt sich zur Genfer Konvention und zum Bauernstand, alle Religionen der Welt sind ihm heilig. Was er wirklich will, ist allerdings schwer herauszufinden. Wen es drängt, der kann sich ja auf der Homepage vertiefen.

Eine ganze Reihe weiterer Personen und Persönlichkeiten haben in den vergangenen Wochen ihre Ambitionen angemeldet. Da gibt es etwa den Generalsekretär der Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich, Georg Zakrajsek, oder den Wiener Arzt und Fremdenfeind Thomas Unden. Dr. Dr. und Prof. Unden tritt für Meinungsfreiheit ein, könnte es sich also gefallen lassen, als Ungustl bezeichnet zu werden. Ferner gibt es die steirische Energetikerin und Kosmologin Karin Kolland oder Thomas Reitmayer vom Österreich-Ableger der deutschen Satiretruppe "Die Partei". Er verspricht: "Ich ruiniere dieses Land zum halben Preis."

Gesperrt im Forum

Das ist jetzt wahrscheinlich keine vollständige Aufzählung aller möglicher Kandidaten, genannt sei vielleicht noch Martin Roger Müller, der schon nicht ORF-Generaldirektor wurde und kaum darüber hinwegkommt, jetzt aber als Bundespräsidentschaftskandidat eine neue Herausforderung sucht. Er wollte seinen Wahlkampf aus Kostengründen vorwiegend im Internet führen, benahm sich im STANDARD-Forum aber gleich einmal so daneben, dass er als Poster gesperrt wurde. Die Forenwartung hilft ganz bestimmt: foren@derstandard.at.

Prognose: Es werden am 24. April sieben Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen. Vielleicht acht. Mehr bestimmt nicht. Und das wäre schon enorm viel. Zuletzt, im Jahr 2010, waren es drei (Heinz Fischer, Barbara Rosenkranz und Rudolf Gehring), 2004 waren es mit Heinz Fischer und Benita Ferrero-Waldner gar nur zwei. (Michael Völker, 12.3.2016)

  • Dorthin wollen viele. Prognose: Auf den Stimmzettel schaffen es sieben, höchstens acht Kandidaten.
    foto: apa/techt

    Dorthin wollen viele. Prognose: Auf den Stimmzettel schaffen es sieben, höchstens acht Kandidaten.

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