Mercedes-Benz E-Klasse: Wie von Zauberhand

11. März 2016, 11:28
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Stellt bei BMW die 3er-Reihe so etwas wie den Kern der Marke dar, dann bei Mercedes die E-Klasse. Die Neuauflage der noblen Limousine strotzt vor Technik und bewegt sich in manchen Bereichen schon fleißig autonom

Lissabon – Draußen am Cabo da Roca, Festlandseuropas westlichstem Punkt, stürmt es mit geschätzter Stärke acht, neun oder zehn auf der zwölfteiligen Beaufort-Skala. Da stehst du schräg, sonst weht es dich weg, doch der E-Klasse ist es wurscht, sie schmiegt sich in den Wind wie kaum ein anderes Auto, messtechnisch noch hinterlegt vom Cw-Wert: 0,23.

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Die E-Klasse auf dem Weg zum Cabo da Roca.

Auch auf der Autobahn rund um Lissabon, im "Hände weg vom Steuer"-Modus, rechnet die Elektronik Äolus’ Attacken souverän heraus, und damit sind wir schon bei den technischen Schmankerln dieser Geschäftslimousine, die das Leben an Bord im mehrfachen Dutzend erleichtern und Sicherheit und Komfort auf ein ganz neues Niveau heben sollen. Da geht schon vieles wie von Zauberhand.

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Die Limo fährt sich prachtvoll und setzt im Antriebskapitel auf eine ausgewogene Balance zwischen Spritzigkeit und Sparsamkeit.

Zucker am Lenkrad

In zwei Teilbereichen autonomen Fahrens glänzt die E-Klasse: ganz langsam und auf der Autobahn. Dorten unterwegs zweimal den Tempomathebel rasch ranziehen, schon übernimmt der Autopilot und chauffiert uns streng nach jeweiligem Tempolimit (sofern die Sensorik sie auch richtig detektiert hat) übers Asphaltband. Zwar muss man immer noch nach ein paar Sekunden einen manuellen Zucker im Lenkrad tun, längere Fahrten erlaubt der Gesetzgeber noch nicht, ansonsten kriegt man aber schon eine recht konkrete Vorstellung davon, wie wir uns in naher Zukunft durchs Verkehrsgeschehen bewegen werden.

Hacker-Regelung

Lustig auch das automatisierte Einparken per Smartphone-Applikation. Parken lassen statt selbst parken. Nur wenn Mercedes erklärt, man könne sein Handy sogar als Fahrzeugschlüssel nutzen, beschleicht einen leise Skepsis; denn das klingt nach Einladung für Hacker und Autodiebe.

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"In die Ecke, Besen! Besen!": Die E-Klasse parkt jetzt auch per Handy ein.

Daimler-Kronprinz Ola Källenius meinte in Estoril, Autos gehörten zu den intelligentesten Maschinen, und die E-Klasse sei ein besonders schlaues Exemplar. Da ist schon was dran. Beispiel Bedienkonzept: Die voll vernetzte E-Klasse spielt alle Stückerln, das auch noch auf dem größten (Doppel-)Bildschirm aller automobilen Zeiten (insgesamt fast 25 Zoll breit). In mehrfacher Redundanz gelangt man zu den einzelnen Menüpunkten, dabei erwähnenswert ist die nigelnagelneue Bedienung über die per Daumen am Lenkrad bedienbaren Touchpads von der Größe eines kleinen Fingernagels. Dem standen wir erst skeptisch gegenüber, jetzt als Fans.

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Innen geht's hochgradig nobel zu.

Ein Traum ist übrigens das E-Klasse-Fahrwerk, speziell in Top-Ausführung mit Mehrkammer-Luftfederung. Rollt in der Grundstellung überragend komfortabel ab, und selbst in der deutlich strafferen Sport+-Stellung streichelt dir der Benz das Gemüt – wenngleich dann, beispielsweise im E 400 4matic mit 333 PS, verwegene dynamische Vorstöße möglich werden, an den westlichsten Punkt Europas zum Beispiel.

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Die Farbe nennt sich Designo Selenitgrau Magno und ist das einzig Matte an der E-Klasse.

Den 400er gibt’s zum Einstieg noch nicht, los legt die E-Klasse mit einem ganz neuen 2,0-Liter-Diesel (220d; 195 PS), der sich im Normtestzyklus mit 3,9 l / 100 km begnügt. Ein weiterer Diesel (258 PS) und ein Benziner (184 PS) komplettieren die Startaufstellung. Weitere Versionen – darunter ein Plug-in-Hybrid – sowie Allrad und T-Modell folgen im September, AMG später im Herbst. (Andreas Stockinger, 11.3.2016)

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Die E-Klasse hat eine jahrzehntelange Ahnenreihe.

Nachlese:

E-Klasse: Von innen nach außen ins Licht gerückt

Neuer Cadillac CTS: Bon voyage, mon Ami

Genf 2016: BMW, Daimler und VW

Link

Mercedes-Benz

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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