Trenkwalder: Entsendete Ausländer kosten Hälfte

10. März 2016, 07:40
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Trenkwalder-Chef: "Das ist wie bei der Rettungsgasse – wir fahren zur Seite, und andere nutzen das, um über die mittlere Spur zu brausen"

Wien – In Österreich sind 136.000 Beschäftigte aus dem Ausland entsendet, 90.000 davon aus Osteuropa. Während eine inländische Zeitarbeitsfirma Lohnkosten von 30 Euro aufwärts je Stunde habe, seien dies bei Entsendeten aufgrund geringerer Lohnnebenkosten nur 14 Euro, rechnet Klaus Lercher, Geschäftsführer von Trenkwalder Österreich, vor.

Dies würde insbesondere niedrig qualifizierte Arbeitskräfte in Österreich am Arbeitsmarkt massiv Konkurrenz machen. Anspielend auf die 475.931 Personen auf Jobsuche (Stand Februar) meinte Trenkwalder im Gespräch mit der APA: "Wir haben knapp 500.000 auf der Ersatzbank sitzen, die aufs Spielfeld wollen. Das ist wie bei der Rettungsgasse – wir fahren zur Seite, und andere nutzen das, um über die mittlere Spur zu brausen."

Nationale Maßnahmen

Außerdem seien die 136.000 nur ein Teil derer, die zum Arbeiten nach Österreich kommen. Einerseits gebe es eine erhebliche Dunkelziffer, andererseits würden Ein-Personen-Unternehmen nicht unter die EU-Entsenderichtlinie fallen.

Lercher fürchtet, dass eine bevorstehende EU-Einigung zur Entsenderichtlinie nicht so weit geht, wie sie von Österreichs Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) gefordert wird. Trete seine Befürchtung ein, sei es notwendig, dass auch nationale Maßnahmen gesetzt werden.

Unter anderem müssten die rund 300 zentralen Kollektivverträge entrümpelt werden. Diese seien nur mehr für Juristen verständlich und würden mit ihrem engen Korsett die Wirtschaft behindern. Im November finden wieder die jährlichen Kollektivvertragsverhandlungen der Branche statt, dann solle dies auf den Tisch gebracht werden.

Zu wenig junge Facharbeiter

Um die Beschäftigung der Generation 50+ besser am Arbeitsmarkt zu integrieren, müsse es mehr Förderungen geben und der Kündigungsschutz gelockert werden. Bei den Jungen hingegen gebe es einen Facharbeitermangel, weil die Lehre ein schlechtes Image habe – was völlig ungerechtfertigt sei. Lercher erinnerte daran, dass so mancher Akademiker vom Einkommen eines Facharbeiters nur träumen könne.

Um die Flüchtlinge in den Arbeitsprozess zu bekommen, seien Deutschkenntnisse zentral. Des Weiteren müsse es Kompetenzchecks geben, um die Menschen zielgerichtet ausbilden zu können. Für schlecht ausgebildete Arbeitnehmer und Arbeitslose werde sich durch den Zuzug der Wettbewerb am Arbeitsmarkt jedenfalls verschärfen, erwartet der Trenkwalder-Chef.

Hälfte der Zeitarbeiter vorher arbeitslos

Für die Ausbildung sei jedenfalls Geld vorhanden, konkret 30 Millionen im Sozial- und Weiterbildungsfonds (SWF), der im Sozialministerium angesiedelt ist. Nur würde dieses Geld brach liegen. Auch hier hofft Lercher auf die Hilfe von Stöger.

Dem AMS streute Lercher, der auch Präsident des Verbands der Zeitarbeitskräfte ist, Rosen. Hier habe sich in den vergangenen Jahren sehr viel Positives getan.

Lercher erinnert daran, dass die Zeitarbeitsbranche zu den Top-Abnehmern des AMS zählt, sein Unternehmen mit 6.000 Mitarbeitern sei überhaupt die Nummer 1. 75.000 Personen arbeiten für die rund 1.000 Zeitarbeitsfirmen, wobei auf die Top-20 die Hälfte aller Beschäftigen entfallen. 50 Prozent der Zeitarbeiter seien vorher arbeitslos, 52 Prozent der Zeitarbeitsnehmer würden in ein fixes Beschäftigungsverhältnis übernommen. (APA, 10.3.2016)

  • Trenkwalder-Chef Klaus Lercher sieht die Entsendung zahlreicher ausländischer Arbeiter nach Österreich kritisch.
    foto: rubra

    Trenkwalder-Chef Klaus Lercher sieht die Entsendung zahlreicher ausländischer Arbeiter nach Österreich kritisch.

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