Datenleck enthüllt offenbar Namen von IS-Kämpfern

11. März 2016, 07:15
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Daten von IS-Kämpfern aus 51 Ländern darunter – Auch Hinweise auf Österreicher im Datensatz

London – Der britische Fernsehsender Sky News hat nach eigenen Angaben die Daten von zahlreichen mutmaßlichen Mitgliedern der Jihadistenorganisation "Islamischer Staat" zugespielt bekommen. Ein enttäuschtes ehemaliges IS-Mitglied habe ein in Syrien gestohlenes elektronisches Speichermedium mit den Daten übermitteln lassen, teilte der Sender am Mittwoch mit. Bereits am Montag hatten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR über einen Datensatz berichtet, der eine Art Mitgliederverzeichnis von IS-Kämpfern enthält.

"Dem Bundeskriminalamt sind derartige Unterlagen des sogenannten Islamischen Staates bekannt", erklärte der BKA-Pressesprecher und Kriminaldirektor Markus Koths auf Anfrage zu den Berichten. "Wir gehen davon aus, dass es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um echte Dokumente handelt", fügte er hinzu. "Wir berücksichtigen sie daher im Rahmen unserer Maßnahmen der Strafverfolgung und Gefahrenabwehr."

Auf dem Sky News zugespielten Speichermedium seien Daten mutmaßlicher IS-Mitglieder aus 51 Ländern gespeichert, darunter Großbritannien, mehrere nordeuropäische Länder, die USA, Kanada und zahlreiche Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas. Laut "Daily Mail" ist bis jetzt bekannt, dass von den Kämpfern 485 aus Saudi-Arabien, 375 aus Tunesien, 140 aus Marokko, 101 aus Ägypten, 35 aus Frankreich, 18 aus Deutschland, 16 aus Großbritannien und vier aus den USA stammen. Weitere 126 stammen aus den Libanon, Belgien, Australien, den Niederlanden, Russland und Afghanistan.

Österreicher als Bürge

Wie DER STANDARD von einer Quelle mit Einblick in die Dokumente erfuhr, soll in der Datei auch eine Person auftauchen, die mit dem Kampfnamen "Al-Namsi" (etwa "der Österreicher") geführt wird und als Bürge für deutsche Jihadisten fungiert haben soll. Der ORF berichtete in der ZiB 2 am Donnerstag davon, dass es in sechs Fällen einen Österreich-Bezug geben solle.

Die Bögen, die Kämpfer vor der Aufnahme in den IS ausfüllen müssen, enthalten unter anderem Namen, Adressen, Telefonnummern und Angaben zur Familie. Insgesamt müssen die Anwärter 23 Fragen beantworten, wie auf einigen der von dem Sender veröffentlichten Registrierungsbögen zu sehen ist. Vermerkt werden offenbar auch Telefonnummern, Blutgruppe, Ausbildung, Kampferfahrung und Kenntnisse des Scharia-Rechts, Familienangehörige und Beziehungsstatus. Ein Datensatz habe auch explizit "Märtyrer" aufgelistet, die sich zu Selbstmordanschlägen bereiterklärt hätten und dafür ausgebildet worden seien, berichtete Sky News, das nach eigenen Angaben auch die Behörden informierte.

Ob die Daten tatsächlich authentisch sind, ist aber nicht sicher. Experten sagten am Donnerstag, einige Details – etwa Symbole und die Verwendung bestimmter Worte – passten nicht zum sonstigen Stil des IS. (APA, sum, red 10.3.2016)

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