Das Zittern der Kanutinnen und ihr Gerangel um Rio

Video9. März 2016, 18:09
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Kanu ist nach Segeln der zweite Wassersport, in dem Österreich in Rio auf eine Olympiamedaille hofft. Die interne Konkurrenz ist groß, mit Corinna Kuhnle bangt eine doppelte Weltmeisterin um die Norm. Trainiert wird auch auf der Donauinsel. Tapfer, tapfer

Wien – "Sechs, sieben Grad werden das sein", sagt Corinna Kuhnle. Sie könnte die Luft meinen, meint aber das Wasser. Kuhnle, die aus Niederösterreich stammt und in Wien lebt, ist doppelte Weltmeisterin im Wildwasserpaddeln, Kategorie Slalom. Am Mittwoch hat die 28-Jährige, die vom TV-Sender Sky gesponsert wird, quasi medienwirksam auf der Donauinsel trainiert.

Dort steht seit 2013 die Verbund-Wasserarena, die erst kürzlich in die Schlagzeilen geriet. Der Rechnungshof übte heftige Kritik, weil die Errichtung der Anlage 4,8 Millionen Euro kostete, achtzig Prozent mehr als veranschlagt. Am Rande des Kuhnle-Termins nahm Walter Aumayr, der Präsident des Kanuverbands (OKV), dazu Stellung. Die Anlage sei, sagte Aumayr, immer noch günstig. Und er habe den damaligen Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) sehr wohl von der Kostensteigerung in Kenntnis gesetzt. "Ich hab' gesagt: 'Schau' her, das kostet es.' Und wir haben dann auf den Euro genau abgerechnet."

derstandard.at/kopacka
Seit 2013 kann Corinna Kuhnle in Wien trainieren. Der 250 Meter lange Kanal ist ab März befahrbar. Kuhnle freut sich "wie ein kleines Kind, das wieder auf den Spielplatz darf".

Corinna Kuhnle kann nichts für die Kosten, sie ist froh über die Möglichkeit, von März, wenn es sein soll, bis Dezember in Wien zu trainieren. Am Mittwoch war sie eine Stunde lang unterwegs, mit dem Förderband hinauf, dann im kalten Wasser wieder herunter, Lauf für Lauf, immer ohne Handschuhe. "Mit Handschuhen geht viel Gefühl verloren." Zu Jahresbeginn war Kuhnle gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen Viktoria Wolffhardt und Lisa Leitner für fünf Wochen zum Training nach Australien geflogen. Die Vierte im Bunde, Violetta Oblinger-Peters, übte derweil in Dubai, es müssen nicht immer alle zusammenstecken.

Glück statt Pech

Die Konkurrenz ist groß, nur eine aus dem Quartett wird bei den Olympischen Spielen im August in Rio paddeln. Allgemein wird ein Duell zwischen Kuhnle und Oblinger-Peters erwartet, die seit Jahren dominieren. Oblinger-Peters (38) war Olympia-Dritte 2008 und WM-Dritte 2010, Kuhnle Weltmeisterin 2010 und 2011, Olympia-Achte 2012 sowie Gesamtweltcupsiegerin 2014 und 2015. Derzeit hat Oblinger-Peters die besseren Karten, sie hatte bei der WM 2015 als beste Österreicherin Rang 14 belegt.

foto: apa/techt
Für Kuhnle ist die interne Konkurrenz "ein Glück".

Kuhnle müsste bei der EM im Mai in Liptovský Mikulás (Slowakei) und beim Weltcup im Juni in Ivrea (Italien) vor ihren Kolleginnen ankommen, um für Rio buchen zu können. Sie ist zuversichtlich. "Für mich ist die Konkurrenz kein Pech, sondern ein Glück. Wir spornen uns gegenseitig an. Setz' ich mich in Österreich nicht durch, hab' ich nichts in Rio verloren."

Wien ist Wien, Sydney war Sydney. Beim Training im Olympiakanal von 2000 hatte das Wasser 25 Grad, die Luft war wärmer. Kuhnle kehrte dennoch gerne auf die Donauinsel zurück. "Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, das wieder auf den Spielplatz darf." Den Betrieb des Spielplatzes können zwanzig heimische Spitzenkanutinnen und -kanuten aber nicht finanzieren. Eine Stunde in der Verbund-Wasserarena verursacht allein 500 Euro an Stromkosten. OKV-Chef Aumayr hofft, "dass viele Wiener zum Rafting kommen". Ab Mai, da ist das Wasser schon etwas wärmer. (Fritz Neumann, 10.3.2016)

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