Bank Austria muss Baustellen aufräumen

9. März 2016, 17:56
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Filialschließungen werfen Schatten voraus – Auch Cernkos engster Vertrauter geht

Wien – Bei der österreichischen Unicredit-Tochter Bank Austria (BA) sind nun, angesichts des Gesetzesentwurfs für den Versicherungstransfer, große Baustellen offen. Die Frage, ob die ASVG-Novelle bekämpft wird, sollte sie wie geplant kommen, dürfte letztlich in Italien entschieden werden. Auf der einen Seite würde sich der um 500 Millionen Euro erhöhte Transferbetrag an die Pensionsversicherungsanstalt PVA verschärfend auf die Sparvorgaben der Bank auswirken. Auf der anderen Seite fürchtet man, dass lange gerichtliche Auseinandersetzungen die Reputation des Hauses noch mehr beschädigen könnten.

Der neue Vorstand unter Robert Zadrazil muss ja die Restrukturierung des Instituts umsetzen, zu der auch die Schließung von Filialen gehört. (Von 190 Geschäftsstellen werden bis zum Jahr 2018 rund 70 zugesperrt.) Die Umsetzung dieses Vorhabens ist bereits auf dem Weg – und wirkt sich naturgemäß aufs Personal aus.

So gibt es nun mehr Filialleiter plus Stellvertreter als Posten für Filialleiter plus Stellvertreter – das Führungspersonal muss sich daher Hearings für die Neuvergabe der Chefposten unterziehen. Dabei ist die Nachfrage für manche Filialleitungsjobs gar nicht so groß, wird in der Bank erzählt; es gebe etliche Leute, die lieber als "einfache" Mitarbeiter weitertun. Umso mehr, als es ja bei Versetzungen – die meisten Banker werden auf die restlichen Filialen "verteilt" – nicht zu Verschlechterungen kommen darf, also auch nicht zu Gehaltseinbußen.

Cernko-Vertrauter geht

Stichwort Spitzenposten: Nach BA-Chef Willibald Cernko und Retailchef Helmut Bernkopf geht nun, nolens volens, auch der Leiter des Bereichs Organisation und Produkte. Der Outsourcing-Experte galt als Cernkos engster Vertrauter und als recht streng.

Getüftelt wird in der Bank auch noch an der Frage, wie die Übersiedlung des Osteuropageschäfts nach Mailand vonstattengehen wird. Die Berechnungen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen davon sind noch nicht abgeschlossen; die Abspaltung der bisher wichtigsten Bank-Austria-Sparte betrifft ja rund 500 Mitarbeiter. Plan ist, einen Teil der Stellen in Österreich zu belassen und nur die Topjobs wie das Controlling nach Italien zu übersiedeln. Ausverhandelt ist das aber zwischen Wien und Mailand noch nicht.

In Italien haben die Banker übrigens mit der Gewerkschaft verhandelt und die Streichung von 470 Managerstellen beschlossen. Es werde sich um "Abschied auf freiwilliger Basis" handeln, ließen Gewerkschafter am Mittwoch wissen. Gleichzeitig versuche man, "Neuanstellungen zu fördern". Unicredit hat im Vorjahr rund 3500 von 129.000 Mitarbeitern abgebaut und 120 (von knapp 7000) Filialen geschlossen. (Renate Graber, 10.3.2016)

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