Algen: Der Rohstoff aus den grünen Röhren

14. März 2016, 09:00
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Eine Algenzucht in Niederösterreich will die Nahrungsmittelindustrie und die Medizintechnik beliefern

Wien – Im niederösterreichischen Bruck an der Leitha kümmern sich 18 Mitarbeiter um insgesamt 160 grün schimmernde, fünfeinhalb Meter hohe Säulen. Die satte Farbe spenden unzählige Mikroorganismen, konkret Algen, die Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie und die Medizintechnik produzieren. Seit 2010 arbeitet die Firma Ecoduna an diesen Monokulturen, die nun den Probebetrieb hinter sich gebracht haben. Allerdings ist der jährliche Ausstoß der Anlage mit 100 Tonnen für einen kommerziellen Betrieb schlichtweg noch zu klein.

"Unser Ziel ist es, einen großen Roll-out von mehreren Hundert Tonnen zu erreichen", sagt CEO Johann Mörwald. "Dann sind wir groß genug für die Player der Pharma- und Nahrungsmittelerzeuger." Sprich, um auf den angepeilten Algenausstoß von 600 Tonnen pro Jahr zu kommen, muss eine größere Produktionsanlage errichtet werden. Die erwarteten Kosten dafür belaufen sich auf rund 15 Millionen Euro, ein Drittel davon muss Ecoduna als Eigenkapital stemmen.

Zweigleisige Finanzierung

Dazu wählt die junge Firma eine zweigleisige Finanzierungsstrategie. Einerseits bietet Ecoduna Privatpersonen eine Sale-and-lease-back-Transaktion für die derzeit laufende Produktionsanlage an, die 350.000 Euro einbringen soll. Dabei erwerben Investoren einzelne Module der Anlage, bleiben fünf Jahre Eigentümer und erhalten währenddessen jährlich vier Prozent als Leasinggebühr. Danach kauft Ecoduna die Module zum Originalkaufpreis wieder zurück. Zwei Drittel der Module wurden laut Mörwald bereits an 38 Personen verkauft.

Zudem läuft bei Ecoduna bis Mitte März eine Kapitalerhöhung nach dem neuen Alternativfinanzierungsgesetz, die gut drei Millionen in die Kasse spülen soll. Dazu werden etwas mehr als 600.000 Aktien zu fünf Euro je Stück angeboten, um zum Eigentümerkreis von derzeit rund 180 Aktionären dazuzustoßen.

Rund 400.000 Algenarten

In fünf bis sechs Jahren plant Mörwald, rund 25 Millionen Euro Umsatz mit der Algenproduktion zu erzielen. Wobei sich noch weitere Anwendungsmöglichkeiten eröffnen könnten, denn zu den bisher erforschten Wirkstoffen könnten sich noch viele dazugesellen. "Es gibt rund 400.000 Algenarten, und nur von ein paar Dutzend haben wir ein bisschen Ahnung." Wer sein Geld bevorzugt in ökologische Projekte stecken will, braucht keine Bedenken zu hegen, denn eines trifft auf alle Algenarten zu: Sie betreiben Photosynthese, was sie nicht nur farblich zu einem grünen Rohstoff macht. Die winzigen Pflänzchen verbrauchen nämlich das klimaschädliche CO2, als Nebenprodukt fällt Sauerstoff an. (Alexander Hahn, 14.3.2016)

  • Bei dem niederösterreichischen Algenzüchter Ecoduna läuft derzeit die Finanzierung einer größeren Produktionsanlage.
    foto: patrick pleul

    Bei dem niederösterreichischen Algenzüchter Ecoduna läuft derzeit die Finanzierung einer größeren Produktionsanlage.

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