Wie der Körper den Balanceakt zwischen zu viel und zu wenig Immunabwehr schafft

11. März 2016, 11:17
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Wiener Forscher identifizieren zwei Immunstoffe als Wächter der Balance zwischen zu schwacher und Überreaktion

Wien – Wenn Krankheitserreger den Körper stürmen, muss das Immunsystem angemessen reagieren: Es sollte einerseits entschlossen den Kampf aufnehmen, darf andererseits aber nicht zu heftig reagieren, damit der eigene Körper nicht zu Schaden kommt. Bei Bakterien-Infektionen ist für diesen Balanceakt das Wechselspiel zweier Immunstoffe (namens IL-1beta und IFN-I) verantwortlich, wie nun internationale Forscher mit Wiener Beteiligung herausgefunden haben.

"Für unsere Untersuchungen haben wir Infektionen mit Streptokokken nachgestellt, die als häufigster Erreger von Mandelentzündungen bekannt sind, in manchen Fällen jedoch auch schwerwiegende invasive Infektionen verursachen", erklärten Pavel Kovarik und Virginia Castiglia von den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien. So können sie etwa bei einem "toxischen Schocksyndrom" zu schweren Organversagen führen.

Die Forscher entdeckten, dass die Menge eines bekannten Immunsystem-Botenstoffs namens Interleukin-1beta (IL-1beta) bei der Streptokokkenabwehr entscheidend ist. "Gibt es zu wenig, nehmen die Bakterien überhand und es kommt zu einer Blutvergiftung, gibt es zu viel, sind übermäßige Entzündungen die Folge", schrieben sie im Fachmagazin "Cell Host and Microbe". Beides könne für den Betroffenen fatal enden.

Ungebremste Immunantwort

Dieser Botenstoff wird wiederum von Interferonen vom Typ I (IFN-I) reguliert, so Kovarik. "Wir wissen seit langem, dass IFN-I bei der Abwehr von Viren helfen, ihre Rolle bei der Abwehr von Bakterien war jedoch bisher stark umstritten", erklärte er. Mit dem Modellsystem habe man nun gezeigt, dass sie auch bei Bakterieninfektionen wichtig sind, indem sie die Menge an IL-1beta verringern und so eine ungebremste Immunantwort verhindern.

Bei verminderter Wirkung der Regulatoren (IFN-I) hätten Hemmer der IL-1beta-Herstellung positive Wirkung gezeigt, so Castiglia. Ähnliches könne man in Zukunft vielleicht auch bei Menschen testen. Bisher gäbe es nämlich keine optimale Behandlung gegen schwere invasive Streptokokkeninfektionen. "Antibiotika helfen nur im Frühstadium und auch entzündungshemmende Mittel zeigen wenig Wirkung", erklärten die Forscher. Die einzige "Heilungsmöglichkeit" sei oft nur mehr die großflächige Entfernung des entzündeten Gewebes. (APA, red, 11.3.2016)

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