Erste Anzeichen einer Trendwende bei Rohstoffen

10. März 2016, 09:00
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In den vergangenen Jahren kannten Rohstoffe angesichts des großen Angebots bei bescheidener Nachfrage nur eine Richtung: nach unten

Wien – Strohfeuer oder Trendwende – das fragten sich die Rohstoffinvestoren, nachdem der Preis für Eisenerz allein am Montag einen Rekordanstieg von 19 Prozent verzeichnet hatte. Viele Wall-Street-Banken sowie große Erzeuger tippen auf Ersteres: Der Anstieg werde sich wohl als vorübergehend entpuppen, kommentierten etwa die Experten von Goldman Sachs den Preissprung. Für die Citigroup handelt es sich um das Werk von Spekulanten, und der Minenriese BHP Billiton interpretiert den rasanten Anstieg als Reaktion auf Aussagen der chinesischen Regierung, welche auf mehr Infrastrukturinvestitionen schließen lasse. Den mittel- bis langfristigen Ausblick beeinflusse dies nicht.

Dennoch hat Eisenerz nicht nur zu Wochenbeginn für Staunen gesorgt, sondern legt schon seit Jahresanfang zu – so wie übrigens viele der in den vergangenen Jahren nach unten abgesackten Grundzutaten für die Weltwirtschaft. "Die wichtigsten Rohstoffpreise zeigen Zeichen einer Erholung", meint Edith Southammakosane, Rohstoffstrategin bei ETF Securities. Besonders bei Basismetallen verweist sie darauf, dass die Preise in den vergangenen Monaten Mehrjahrestiefs markiert haben, nun aber seit Wochen wieder deutliche Mittelzuflüsse in Fonds für Industriemetalle zu verzeichnen sein. "Es sieht so aus, als sei der extreme Pessimismus gegenüber Basismetallen am Abklingen."

Unter historischem Mittel

Die Analysten von Unicredit haben indes die derzeitigen Metallpreise in einem langfristigen Kontext gesetzt. Ihr Fazit: Auf inflationsbereinigter Basis notieren alle Metalle unter ihrem hundertjährigem Durchschnitt. Besonders stark Aluminium und Nickel, die beide nahe an ihren Rekordtiefständen notieren. Dies lässt zwar auf langfristiges Aufwärtspotenzial schließen – allerdings mit Einschränkungen: "Mit Blick auf die Zukunft wird seit langem darüber spekuliert, dass die Fortschritte in der Karbonproduktion und andere Verbundmaterialien einen Großteil der Stahlbranche ersetzen werden", geben die Unicredit-Analysten zu bedenken.

Ebenfalls eine durchwachsene Preisentwicklung weisen Agrarrohstoffe nach drei tendenziell guten Erntejahren aus – mit gewissen Chancen auf Besserung, wie Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank meint: "Wir gehen davon aus, dass wir künftig leichte Preiserhöhungen sehen werden." Zur Begründung führt er an, dass das hohe Angebot eingepreist sei. Negative Wettermeldungen für wichtige Anbaugebiete könnten also schnell zu Preisanstiegen führen. Wegen besonders hoher Lagerbestände erwartet Fritsch bei Zucker eher tiefere Preise, während er bei Kaffee eher von Verteuerungen ausgeht. Im Hauptanbaugebiet Brasilien hätte Trockenheit die Ernte beeinträchtigt, was aber durch die tiefe Landeswährung kompensiert worden sei: "Deshalb konnte sich das schwache Angebot noch nicht in höheren Preisen manifestieren."

Ausscheiden von Erzeugern

Unterm Strich hat die konjunkturbedingt schwächelnde Gesamtnachfrage in Kombination mit hohem Angebot den Rohstoffsektor teilweise auf historische Tiefstände geführt. Allein dies sollte zum Ausscheiden einiger Produzenten führen, wie auch die Unicredit-Analysten hervorheben, denn: "Die Lösung für niedrige Preise sind die niedrigen Preise selbst." (Alexander Hahn, 10.3.2016)

  • Auch Agrarrohstoffe zeigten in den vergangenen Jahren eine durchwachsene Entwicklung.
    foto: jens büttner

    Auch Agrarrohstoffe zeigten in den vergangenen Jahren eine durchwachsene Entwicklung.

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