"Lärmhölle" rund um Salzburger Bierlokal

10. März 2016, 08:00
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Die Anrainer des Sudwerks kämpfen seit Jahren um ihre Nachtruhe. Der Streit ergibt ein wenig schmeichelhaftes Bild der Stadtverwaltung

Salzburg – Grölende Wirtshausbesucher, Erbrochenes auf den Gehsteigen, Urin im Hauseingang – seit Jahren leiden die Anrainer des Salzburger Event- und Bierlokals Sudwerk unter ihrem Nachbarn. Das Schlimmste sei der Lärm der Lokalgäste auf der Straße, sagen die Anrainer im dichtbesiedelten Salzburger Andräviertel. Dieser dauere oft bis zur Sperrstunde um vier Uhr in der Früh. An Schlaf sei nicht zu denken: "Wir leben in einer Lärmhölle." Inzwischen gibt es sogar einen Bescheid der Stadt, nach der Lokalbetreiber die Sperrstunde auf Mitternacht vorverlegen müsste. Nur, umgesetzt wird er nicht, weil vom Betreiber beeinsprucht.

Die Chronologie des in Summe über ein Jahrzehnt andauernden Konflikts ist jedenfalls voller Sonderbarkeiten und zeichnet ein für die Stadtverwaltung wenig schmeichelhaftes Bild. Im Zentrum des Geschehens ein aktiver und ein ehemaliger ÖVP-Politiker: der für das Ordnungsamt zuständige schwarze Vizebürgermeister Harald Preuner und der ehemalige ÖVP-Gemeinderat und Inhaber des Sudwerks – samt dazugehörender Brauerei –, Hans Georg Gmachl.

Lärm laut Gutachten gesundheitsgefährdend

Basis des aktuellen Bescheids zur Vorverlegung der Sperrstunde ist ein amtsärztliches Gutachten, das den Lärm als gesundheitsgefährdend einstuft. Der zuständige Vizebürgermeister Preuner hat sich vergangenes Jahr mit der Zustellung des Schriftstücks allerdings ziemlich Zeit gelassen. So lange, bis sein Regierungskollege Johann Padtusch (Bürgerliste), der als Planungsressortchef für die Lärmmessungen zuständig ist, Preuner schriftlich ziemlich unmissverständlich vor einer drohenden Anzeige wegen Amtsmissbrauchs warnte.

Bescheid wurde dem Falschen zugestellt

Dann aber die nächste Verzögerung: Der Bescheid wurde nicht der Betreibergesellschaft, sondern dem Sudwerk-Pächter – dem Salzburger Promiwirt Peter Huber – geschickt. Ein Formfehler, der Zeit kostete, aber inzwischen repariert ist.

Inzwischen warten die Anrainer freilich weiter. Der Bescheid wurde beeinsprucht, und jetzt ist die zweite Instanz, die Berufungskommission beim Magistrat, am Zug. Die Frist läuft bis Mai. Aber es spießt sich schon wieder. Denn wie aus dem Büro von Padutsch zu erfahren ist, wurden die vielen Messreihen der vergangenen 13 Jahre mit möglicherweise nicht der Önorm entsprechenden Mikrofonen durchgeführt. Und das könnte in der dritten Instanz, dem Verwaltungsgerichtshof, den Bescheid kippen. Die verwendeten Mikros waren versteckte Fenstermikrofone, da die Sudwerk-Betreiber auf sichtbare Messungen sofort mit dämmenden Maßnahmen wie beispielsweise Türstehern reagiert hätten, erzählt ein Mitarbeiter von Padutsch. Nun müsse man erneut Messungen durchführen.

Inhaber: Lärm auf der Straße ist Sache der Polizei

Die Causa war sogar Thema im Nationalrat. Die Grünen versuchten anhand dieses Beispiels eine Änderung der Gewerbeordnung zu erwirken. Bis dato ist für eine Betriebsstättengenehmigung nur die Lärmemission aus dem Lokal von Bedeutung, nicht jene vor dem Betrieb auf der Straße. Hier setzt auch Brauereibesitzer Gmachl an. Wenn sich jemand vor dem Lokal ungebührlich betrage – also lärme oder uriniere –, sei das Sache der Polizei, sagt Gmachl im STANDARD-Gespräch. Die Türsteher dürften nicht eingreifen.

Er selbst habe "alles getan", sagt Gmachl. Das Lokal habe eine fünf Meter lange Schallschleuse, einer Anrainerin habe er Schallschutzfenster finanziert. Überdies sei gar nicht sicher, dass immer seine Gäste die Lärmquelle seien. Im Sommer würden viele Menschen aus der Innenstadt in die Hotels in dem Stadtteil zurückkehren; manchmal auch spät in der Nacht. (Thomas Neuhold, 10.3.2016)

  • Im Salzburger Sudwerk ist die ÖVP ein gerngesehener Gast: Landeshauptmann Wilfried Haslauer, EU-Abgeordnete Claudia Schmidt und Stadtvize Harald Preuner (von links). Das Bild stammt von 2014.
    foto: facebook/övp

    Im Salzburger Sudwerk ist die ÖVP ein gerngesehener Gast: Landeshauptmann Wilfried Haslauer, EU-Abgeordnete Claudia Schmidt und Stadtvize Harald Preuner (von links). Das Bild stammt von 2014.

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