Härtetest für Pfeiffers Unimärkte

10. März 2016, 12:00
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Unimarkt-Chef Peter Gusenbauer hält die Kette trotz Konkurrenz für überlebensfähig. Die Hälfte der 125 Filialen soll an Franchise-Nehmer abgegeben werden

Wien – Sie sind nach dem bitteren Ende von Zielpunkt die letzten regionalen Supermarktketten Österreichs: Mpreis und Unimarkt. Erstere ist mit 250 Filialen und 5.500 Mitarbeitern fest in Händen der Familie Mölk. Die Tiroler bauten ihren Gewinn im hart umkämpften Lebensmittelhandel 2015 kräftig aus – obwohl die Branche unter mageren Margen leidet – und verbuchten einen Umsatzrekord von brutto gut 800 Millionen Euro.

Die zweite kleine Lebensmittelkette in Privatbesitz, die unabhängig von den Handelsriesen Rewe und Spar agiert, ist Unimarkt. Ihre 125 Standorte verteilen sich von Ober- und Niederösterreich über Teile Salzburgs und der Steiermark bis ins Burgenland. Auf sie wartet ein Härtetest, sagen Marktkenner, die daran zweifeln, dass die Vertriebslinie alleine überlebensfähig ist.

Unimarkt gehört der Händlerfamilie Pfeiffer, die mit dem Bemühen, Zielpunkt zu sanieren, scheiterte. Die in ihrem Reich verbliebenen kleinen Supermärkte könnten schwer gegen die übermächtige Konkurrenz bestehen, befürchten Handelsexperten. Ohne Zielpunkt fehle es schlicht an Kraft für gute Einkaufskonditionen. Dazu kämen Unwägbarkeiten als Folge der Pleite des Schwesterunternehmens.

Jahrelange Verluste

Peter Gusenbauer, der die Geschäfte der 125 Märkte führt, versteht die Skepsis der Branche. Er hat jedoch keine Zweifel, dass sich Unimarkt auch in einem harten Umfeld gut behauptet. "Unsere Stärke ist Regionalität, ist Kompetenz in der Feinkost. Wir positionieren uns klar – und haben keine Gelüste, groß nach Wien oder sonst wohin zu expandieren."

Nach drei Jahren in der Verlustzone erziele Unimarkt heuer wieder schwarze Zahlen, sagt Gusenbauer. Im Einkauf helfe die Kooperation mit Transgourmet; der internationale Großhändler hat vor kurzem die profitable Gastronomiesparte C+C der Pfeiffer-Gruppe erworben. Man habe damit kein Volumen, das mit jenem von Rewe oder Spar vergleichbar sei, aber dennoch Konditionen, mit denen es sich leben lasse.

Gusenbauer will Franchisepartner für Unimarkt gewinnen. Ziel sei es, die Hälfte der Filialen an sie abzugeben. Derzeit ist ein Drittel der Standorte franchisegeführt. Selbstständige Kaufleute seien Garant für lokalen Bezug und Authentizität, sagt Gusenbauer. Dass die Lust, in einem von wenigen Platzhirschen dominierten Markt auf eigenes Risiko zu arbeiten, überschaubar ist, glaubt er nicht: Es gebe neben engagierten Jungunternehmern genug Beispiele erfolgreich etablierter Kaufleute.

Marktbereinigung

Warum dann die Zahl der selbstständigen Nah-&-Frisch-Märkten, von denen Pfeiffer 250 betreut und beliefert, kontinuierlich abnahm? In der Vergangenheit sei auf zu viele Standorte gesetzt worden, eine Bereinigung war die Folge, sagt Gusenbauer. 250 Nah-&-Frisch-Märkte ließen sich nun aber betriebswirtschaftlich gut darstellen.

Die Pfeiffer-Gruppe ist nach der Zielpunkt-Pleite und dem Verkauf des Gastrogeschäfts von 1,3 Milliarden auf 381 Millionen Euro Umsatz geschrumpft, 275 Millionen davon macht der Bruttoumsatz der Unimärkte aus. Offen ist, wie es mit der defizitären Pfeiffer Logistik nach der Schließung des Wiener Standorts weitergeht. Die Gewerkschaft fordert sieben Millionen Euro für den Sozialplan, Pfeiffer sieht sich nur zu 1,8 Millionen imstande. Der Fall liegt bei der Schlichtungsstelle, eine Entscheidung soll es im April geben. (Verena Kainrath, 10.3.2016)

  • Wettlauf um Kunden im Lebensmittelhandel: 80 Prozent des Geschäfts in Österreich dominieren Rewe, Spar und Hofer.
    gerhard leber

    Wettlauf um Kunden im Lebensmittelhandel: 80 Prozent des Geschäfts in Österreich dominieren Rewe, Spar und Hofer.

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