Gewerkschaft hat Bedenken bei Ausbildungspflicht

9. März 2016, 14:22
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Industrie will stattdessen "reformbedürftiges Schulsystem" sanieren

Wien – Auch von Gewerkschaftsseite kommen Bedenken gegen die Ausgestaltung der geplanten Ausbildungspflicht für Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren. "Wem nutzt eine Pflicht zur Ausbildung bis zum 18. Lebensjahr, wenn es zu wenige Ausbildungsplätze gibt?", fragte der Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Sascha Ernszt, in einer Aussendung.

Die Ausbildungspflicht an sich wird von der Gewerkschaftsjugend begrüßt. Die Jugendlichen könnten sie aber nicht erfüllen, solange sie davon abhängig seien, dass Unternehmen freiwillig ausbilden. "Vorrangig ist, dass die Ausbildungspflicht als Recht auf Ausbildung umgesetzt wird." Problematisch sieht Ernszt auch den möglichen Ausschluss von Asylwerbern sowie die Möglichkeit, die Ausbildungspflicht auch durch ein Beschäftigungsverhältnis (wenn sie mit einem "Perspektiven- oder Betreuungsplan" vereinbar ist, Anm.) erfüllen zu können. "Damit würde der Druck auf Jugendliche und auf die MitarbeiterInnen des AMS erhöht, beim Mangel an Ausbildungsplätzen den Weg in die Hilfsarbeit zu gehen, um die Ausbildungspflicht nicht zu verletzen."

Industrie will Änderungen in der Pflichtschule

Aus einer ganz anderen Richtung kommt die Kritik der Industriellenvereinigung (IV) in ihrer Stellungnahme: Der Entwurf beruhe vor allem auf einem "Reparatursystem" aus Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice (AMS) und baue "auf dem bestehenden reformbedürftigen Schulsystem" auf. Er umfasse auch nur jene Jugendliche, die weder eine Schule besuchen noch einer beruflichen Ausbildung nachgehen. "Ziel ist es jedoch, Jugendliche zum Abschluss eines weiterführenden Bildungsangebots zu führen und gerade den frühzeitigen Abbruch der (Aus-)Bildung durch Präventionsmaßnahmen schon im Rahmen des Bildungssystems zu verhindern."

Das AMS sei vor allem zur Jobvermittlung da und solle sich auch in Zukunft "primär mit jenen Personen auseinandersetzen, die Versicherungsbeiträge eingezahlt haben und 'job-ready' sind", so die IV. Sie will vor allem Änderungen in der Pflichtschule inklusive einer "Bildungspflicht", die an die Stelle der derzeitigen neunjährigen Unterrichtspflicht tritt. Statt des reinen Absitzens einer bestimmten Anzahl an Schuljahren soll diese auf das Erreichen eines bestimmten Kompetenzniveaus abzielen.

Auch die Grünen üben Kritik am Entwurf: Das geplante Gesetz schließe Jugendliche mit Behinderungen von der geplanten Qualifizierungsoffensive dezidiert aus, so Behindertensprecherin Helene Jarmer in einer Aussendung. "Dies widerspricht klar der Verpflichtung Österreichs durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention, inklusive Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen zu gewähren und einen inklusiven Arbeitsmarkt zu verwirklichen." (APA, 9.3.2016)

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