Komplizierte OP-Methode gibt Hoffnung bei Lebermetastasen

9. März 2016, 13:51
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Chirurgen lassen den gesunden Teil der Leber während des künstlichen Tiefschlafs des Patienten wachsen

Graz – Lebermetastasen, die bereits beide Leberlappen befallen haben, gelten meist als inoperabel. Ein zweiteiliges Verfahren namens "ALPPS" bietet Betroffenen neue Hoffnung. Chirurgen am Uniklinikum Graz zählen weltweit zu den Pionieren des komplexen Eingriffs. Dabei wird der Umstand genützt, dass der gesunde Teil des Organs im Körper nachwächst, wenn man die Blutzufuhr zum kranken Teil unterbricht.

Als erster Patient in Graz wurde vor rund einem Monat ein 61 Jahre alter Steirer operiert, dessen rechter als auch linker Leberlappen bereits von einer Metastase befallen waren. Vor sechs Jahren war ihm bereits ein Darmtumor entfernt worden, nun tauchte ein Tochtergeschwür in der Leber auf.

"Weniger als ein Viertel der Leber war noch gesund. So viel muss aber mindestens erhalten sein, um überhaupt eine Überlebenschance zu haben", erklärt Hans-Jörg Mischinger, Vorstand der Grazer Uniklinik für Chirurgie, am Mittwoch während eines Pressegesprächs in Anwesenheit des Patienten. Um das Tochtergeschwulst aus dem Organ zu entfernen, wagte sich sein Team an eine weltweit erst wenige Male eingesetzte Methode. "Es war ein schwieriger Eingriff, der äußerst hohe Risiken mit sich bringt. Doch wir wussten, wenn die Operation gelingt, ist der Patient gesund", so der Klinikvorstand.

Das Kranke vom Gesunden trennen

Das Operationsverfahren "ALPPS" steht für "Associating Liver Partition and Portal Vein Ligation for Staged Hepatectomy". Dabei wird in einem ersten Schritt mit einem Schnitt das kranke vom gesunden Lebergewebe nahezu vollständig getrennt und nur eine von beiden Gefäßverbindungen belassen: Die venöse Gefäßverbindung wurde verschlossen, die arterielle aufrechterhalten. Dadurch wurde der gesunde Teil der Leber stärker durchblutet. Das habe einen enormen "Wachstumsschub" für den nicht befallenen Teil der Leber bewirkt: "Das Volumen hat sich in kurzer Zeit von 380 Milliliter auf 720 Milliliter nahezu verdoppelt", schildert Mischinger. Der Patient war in dieser Zeit in künstlichen Tiefschlaf versetzt.

Der weitere Eingriff konnte bereits vier Tage später erfolgen: Nachdem sich das gesunde Gewebe ausreichend vermehrt hatte, wurde der bereits weitgehend abgetrennte kranke Leberteil vollständig entfernt. Entwickelt wurde die Methode vor wenigen Jahren an der Universität Regensburg durch Hans Schlitt. Mischinger zufolge finden nur "eine Handvoll" dieser Eingriffe weltweit jährlich statt. Generell gelte die Operation als sehr risikoreich und immens schwierig. Der steirische Patient wird nach rund einem Monat im stationären Aufenthalt die Klinik als "gesunder Mann" verlassen, heißt es vonseiten der Ärzte. (APA, 9.3.2016)

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