Viele Arzneimittel erhöhen Sturzrisiko

9. März 2016, 13:35
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Neben dem erhöhten Verletzungsrisiko steigt auch die Mortalität

Schladming – Jeder Sturz eines betagten und gebrechlichen Menschen weniger ist ein Gewinn. Viele Arzneimittel – und vor allem die Kombination vieler Medikamente – können die Sturzgefahr und damit das Verletzungsrisiko drastisch erhöhen, hieß es am Mittwoch bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming.

"In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass die Sturzhäufigkeit durch Absetzen oder Dosisreduktion von sturzfördernden Medikamenten gesenkt werden kann", betonte die burgenländische Apothekerin Elisabeth Kretschmer.

Stürze von betagten Menschen stellen insgesamt ein riesiges Problem dar. 2015 wurden in Österreich rund 14.000 Oberschenkelhalsfrakturen registriert. Schätzungen zufolge könnte die Anzahl dieser Knochenbrüche bis zum Jahr 2050 auf rund 25.000 ansteigen. In diesem Zusammenhang ist auch von einer deutlich erhöhten Mortalität auszugehen. Die Sterblichkeit erhöht sich bei Frauen im ersten Jahr nach einer Schenkelhalsfraktur um das Zwei- bis Fünffache. In Österreich kostet allein die Akutversorgung von 14.000 solcher Patienten pro Jahr rund 175 Millionen Euro, hinzu kommen noch die Remobilisationsmaßnahmen mit rund 350 Millionen Euro.

Einzelne Medikamente und Arzneimittel-Cocktails

Die Liste der Arzneimittel, die das Sturzrisiko erhöhen, ist lang. Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine), Antidepressiva und Antipsychotika gehören dazu. Auch faktisch alle Blutdruckmedikamente (Beta-Blocker, Diuretika, ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten, Sartane und Alpha-Blocker) weisen ein sturzförderndes Potenzial auf. Das gleiche gilt für Anticholinergika (z.B. Mittel gegen Harninkontinenz), Medikamente gegen Übelkeit, Opioide und nicht-steroidale Antirheumatika.

Was einzelne Medikamente an Sturzrisiko vielleicht noch nicht auslösen, das tun oft Arzneimittel-Cocktails, wie sie sich oft bei Mehrfachkranken finden. "Bei Patienten mit Multimedikation kann der Apotheker durch Erstellung einer Medikationsanalyse und einem darauf aufbauenden Medikationsmanagement in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt, den Pflegenden und dem Patienten zu einer Erkennung und Senkung eines Arzneimittel-assoziierten Sturzrisikos beitragen", stellte die Expertin fest.

Nicht vergessen werden sollte bei älteren Menschen auch auf eine Osteoporose-Prophylaxe bzw. auf die Behandlung eines per Untersuchung dokumentierten krankhaften Knochenschwundes. Viele Senioren haben auch eine zu geringe Vitamin D- und Kalziumzufuhr, was wiederum die Knochen schädigt. (APA, 9.3.2016)

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