Studie: Netflix-Marathons können depressiv machen

9. März 2016, 13:00
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"Binge Watching" laut University of Toledo ein "wachsendes Problem für öffentliche Gesundheit"

Dank Diensten wie Netflix oder Amazon Prime sind TV-Serien für viele Menschen heute unabhängig von einem vorab fixierten Programm verfügbar. Ist man also unter der Woche nicht dazu gekommen, sich bei "House of Cards" oder "Bosch" weiter zu arbeiten, lässt sich das problemlos am Wochenende nachholen.

Exzessiver Serienkonsum kann allerdings gravierende negative Folgen haben, warnen nun Wissenschaftler der University of Toledo. Sie orten gar ein "wachsendes Problem für die öffentliche Gesundheit".

400 Probanden untersucht

Die Forscher befragten 400 Teilnehmer über ihre TV-Gewohnheiten und untersuchten sie anschließend auf Suchtsymptome. 77 Prozent der Probanden konsumierten täglich mindestens zwei Stunden lang Fernsehinhalte, 35 Prozent bezeichneten sich selbst sogar als "Binge Watcher". Unter "Binge Watching" versteht man langwierige Fernsehsitzungen.

Zwischen einem solchen Verhalten und dem psychischen und körperlichen Wohlbefinden konnten die Wissenschaftler eine deutliche Korrelation feststellen. Wer lange Seriensitzungen einlegt, fühlt sich schlechter.

Frühere Hinweise

Die Ergebnisse sind kohärent mit vorangegangenen Untersuchungen, schreibt Wired. 2015 hatte man an der Texas University ebenfalls einen Zusammenhang zwischen ausgeprägtem Fernsehkonsum und verschiedenen Problemen gefunden.

So soll das Verhalten zu körperlicher Müdigkeit und starkem Übergewicht beitragen. Es könne auch dazu führen, dass Betroffene Depressions-Symptome zeigen und ihre Arbeit oder Beziehungen vernachlässigen. Gefunden wurde auch der umgekehrte Zusammenhang: Depressive und einsame Menschen seien anfälliger für ausufernde Serienmarathons.

"Binge Watching" nicht unterschätzen

"Obwohl manche Leute argumentieren, dass ‚Binge Watching‘ harmlos ist, zeigen die Ergebnisse unserer Studie, dass man es nicht länger so betrachten sollte", sagt dazu Yoon Hi Sung, der an der Erhebung beteiligt war. "Obwohl de Menschen wissen, dass sie es nicht tun sollten, haben sie Schwierigkeiten, ihrem Verlangen, dauernd neue Serienfolgen zu sehen, zu widerstehen." Die Forschungsarbeit soll dazu beitragen, die Sensibilität für das Phänomen zu erhöhen. (gpi, 09.03.2016)

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    foto: amc

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