iPhone-Entsperrung: John McAfee hat gelogen

9. März 2016, 11:29
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Umstrittener Sicherheitsforscher dazu gar nicht in der Lage – wollte Aufmerksamkeit für Präsidentschaftswahlkampf

Der, nicht zuletzt dank Donald Trump, ungewöhnlich verlaufende US-Vorwahlkampf für das Präsidentschaftsamt ist um eine Anekdote reicher. Der umstrittene Sicherheitsforscher John McAfee hatte vor einiger Zeit angekündigt, dass er in der Lage sei, dem FBI beim Knacken des iPhones des San Bernardino-Attentäters helfen zu können. Nun gab er zu, dass er sein Versprechen gar nicht einlösen könnte und das auch nie vorgehabt habe, berichtet Daily Dot.

Mit Zugriff auf den Prozessor und einer Bruteforce-Attacke auf den Sperrmechanismus wollte er den Schutz des Apple-Smartphones durchbrechen. McAfee hatte sogar angegeben, dass theoretisch jeder in der Lage sei, sich auf diese Weise Zugriff zu verschaffen.

Experten warnten vor McAfees Idee

Doch das war gelogen, gesteht er nun. McAfee beharrt allerdings darauf, dass sie umsetzbar wäre – allerdings nur mit einem Expertenteam, teuren Werkzeugen und entsprechendem Zeitaufwand. Experten hatten seinen Vorschlag schnell als widersinnig kritisiert und darauf hingewiesen, dass auf diese Weise das Risiko eingegangen würde, dass die Daten auf dem Handy aufgrund der implementierten Sicherheitsmechanismen unwiederbringlich gelöscht würden.

Publicity für Wahlkampf

Um das iPhone sei es ihm aber ohnehin nie gegangen, so McAfee weiter. Er habe eigentlich nur Aufmerksamkeit haben wollen, um seine eigene, unabhängige Präsidentschaftskandidatur zu pushen. Er habe öffentlich machen wollen, dass das FBI die Bürger hereinlegen wolle. Ohne diesem PR-Stunt, so seine Befürchtung, hätte ihm allerdings niemand zugehört.

Sein Youtube-Auftritt habe es auf 700.000 Abrufe gebracht. In weiterer Folge lieferte er auch Statements gegenüber CNN und Russia Today ab. Außerdem schrieb er in einer Business Insider-Kolumne über sein angebliches Vorhaben, das iPhone für das FBI "kostenlos zu entschlüsseln".

Kaum Chancen für alternative Kandidaten

Im September verangenen Jahres hat McAfee angekündigt, als Frontrunner der von ihm gegründeten Cyber Party zur US-Präsidentschaftswahl im kommenden November antreten zu wollen. Mittlerweile hat er sich mit seiner Wahlkamapgne allerdings der Libertarian Party angeschlossen. Er ist einer von mehreren Kandidaten abseits der zwei dominierenden Parteien, Demokraten und Republikanern, die derzeit noch über Vorwahlen ihre Präsidentschaftsanwärter ermitteln.

Alternative Kandidaten hatten bei bisherigen Wahlgängen keinerlei Chance auf das Weiße Haus, können aber bei knappen Entscheidungen in den sogenannten Swing States zum Zünglein an der Waage für eine Mehrheit des demokratischen oder republikanischen Bewerbers werden. (gpi, 09.03.2016)

  • John McAfee soll für die Libertären zur Präsidentschaftswahl antreten.
    foto: mcafee2016.com/

    John McAfee soll für die Libertären zur Präsidentschaftswahl antreten.

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