Österreich: Tief- und Wohnbau schwächeln

9. März 2016, 11:03
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Europas Baukonjunktur kommt in Schwung, die Bauleistung in den meisten Ländern steigt. Die Lage in Österreich bleibt hingegen flau

Wien – Während die Baukonjunktur in Europa Fahrt aufnimmt, bleibt die Lage in Österreich weiter flau. Das Bauvolumen nahm in Europa nach einer Trendwende im Jahr 2014 (+1,3 Prozent) auch 2015 zu (+1,6 Prozent). Im Zeitraum 2016 bis 2018 ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. In Österreich dürfte die Bauwirtschaft bis 2018 mit +1,2 Prozent pro Jahr weiterhin schwächer wachsen als im Durchschnitt von 19 europäischen Ländern, so das Wifo in seinem Monatsbericht.

Die Bauleistung stieg in den 19 europäischen Ländern, wie die Euroconstruct-Partnerinstitute anlässlich einer Konferenz im Dezember 2015 zeigten, im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr real um 1,6 Prozent, etwas weniger als noch im Juni 2015 prognostiziert (+1,9 Prozent). 2016 wird ein deutlicher Anstieg der Bauleistung um 3,0 Prozent erwartet. In Irland, Spanien und Portugal bewältigt der Sektor die Krise, wenn auch die Wachstumsraten die Verluste aus den Jahren 2008 und 2012 nicht ausgleichen. Deutlich beleben wird sich die Bauwirtschaft in den Niederlanden, in Norwegen und Frankreich. In den osteuropäischen Ländern sind die Aussichten am besten für Polen (Bauinvestitionen +7,4 Prozent).

Dem Euroconstruct-Netzwerk gehören Bau- und Konjunkturforschungsinstitute aus 19 europäischen Ländern an, darunter auch das Wifo. Zweimal jährlich werden im Rahmen einer Konferenz Analysen und Prognosen zur Baukonjunktur und zur Entwicklung in den einzelnen Sparten (Wohnbau, sonstiger Hochbau, Tiefbau) vorgelegt. Als die "19 Euroconstruct-Länder" werden fünfzehn westeuropäische Länder (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien) und vier ostmitteleuropäische Länder bezeichnet (Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn).

Tief- und Wohnbau schwächeln

Bestimmend für die schwache Baukonjunktur in Österreich ist der Tiefbau, aber auch die anhaltende Schwäche im Wohnungsbau. Mit -0,2 Prozent war der Wohnungsbau 2015 bereits das dritte Jahr in Folge rückläufig, stabilisiert sich aktuell jedoch zusehends. Vor dem Hintergrund der Höchstwerte an Baubewilligungen für neue Wohneinheiten in den Jahren 2013 und 2014 bleibt die Produktionsleistung derzeit dennoch schwach. Für die kommenden Jahre erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) auch dank der staatlichen Wohnbaupakete wieder eine stärkere Wohnbauaktivität (2016 +1,0 Prozent, 2017 +1,4 Prozent, 2018 +1,2 Prozent).

In Europa wird laut dem Forschungsnetzwerk Euroconstruct, dem das Wifo angehört, 2016 auch wegen der Flüchtlingsströme mit einem temporären Anstieg der Wohnbauproduktion gerechnet, und zwar insbesondere in Deutschland, den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. Dieser dürfte sich aber bereits bis 2018 wieder abschwächen.

2016/2018 ist nach Einschätzung des Forschungsnetzwerkes Euroconstruct der Tiefbau der Wachstumsmotor für das Bauwesen. Öffentliche Infrastrukturprojekte wurden in den letzten Jahren zurückgehalten und werden nun schrittweise umgesetzt. Die stärksten Impulse gehen dabei von Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sowie im Bereich der Energie- und Wasserwirtschaft aus. (APA, 9.3.2016)

  • Wenig Schwung konstatieren die Forscher derzeit für die heimische Baukonjunktur.
    foto: apa/sauer

    Wenig Schwung konstatieren die Forscher derzeit für die heimische Baukonjunktur.

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