AlphaGo: Googles künstliche Intelligenz schlägt Go-Weltmeister

9. März 2016, 08:55
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Im ersten von fünf Spielen – Experten hatten im Vorfeld Sieg des Südkoreaners Lee Se-dol erwartet

Eine beliebte Testdomäne für künstliche Intelligenzen sind klassische Gesellschaftsspiele. Dass IBMs "Deep Blue" den Schachweltmeister Garri Kasparow bezwingen konnte, ist bereits anderthalb Jahrzehnte her. In einem Brettspiel konnte sich der Mensch aber bisher stets behaupten: Go. Das asiatische Strategiespiel verlangt dem Computer durch sein frei besetzbares Spielfeld und sein Regelwerk besonders viel ab. Nun scheint aber auch diese Domäne menschlicher Überlegenheit zu fallen.

Überraschender Sieg

Im ersten Spiel zwischen Googles AlphaGo und dem aktuellen Go-Weltmeister Lee Se-dol konnte sich die künstliche Intelligenz überraschend durchsetzen. Im Vorfeld hatten Experten praktisch einstimmig einen Sieg von Lee erwartet.

Kommentatoren betonten dabei, dass AlphaGo in den vergangenen Wochen offenbar seine Fähigkeiten deutlich verbessert habe. Beim Sieg gegen Europameister Fan Hui habe die Software noch einige deutliche Fehler gemacht, die ihr dieses Mal offenbar nicht mehr unterlaufen sind.

Hintergrund

AlphaGo ist eine Entwicklung von Googles Maschinenlernabteilung Deepmind. Es leitet seine Züge aus 100 Millionen zuvor erlernten Spielpositionen ab. Das Spiel wurde auf Youtube im Livestream übertragen und kann im untenstehenden Video nachbetrachtet werden.

Das Turnier zwischen AlphaGo und Lee Se-dol ist damit allerdings noch nicht entschieden. Immerhin handelte es sich nur um das erste von fünf Spielen, der Go-Weltmeister hat also noch eine Chance, schlussendlich die Oberhand zu behalten. Die restlichen Spiele werden in den kommenden Tagen ausgetragen. Als Preisgeld sind für den Gewinner eine Million US-Dollar ausgeschrieben; sollte AlphaGo siegreich bleiben, will Google das Geld wohltätigen Zwecken spenden.

deepmind

Die Go-Regeln grob erklärt

In Go treten zwei Spieler auf einem quadratischen Feld von variabler Größe (mindestens aber 5 x 5 Schnittpunkte, die übliche Größe ist 19 x 19) gegeneinander an. Ziel des Spiels ist, möglichst viel Territorium durch geschicktes Umzingeln mit eigenen Spielsteinen zu erobern. Punkte gibt es auch dafür, gegnerische Steine durch erfolgreiches Einschließen verschwinden zu lassen. Dabei gibt es gelegentlich Sonderregeln zu beachten.

Die schriftlichen Spielregeln finden Sie auf brettspielnetz.de. Eine verständliche Einführung liefert auch folgendes Video:

gofansde

(gpi, apo, 9.3.2016)

  • Am Ende musste Lee Se-dol eingestehen: Der Computer hat gewonnen.
    foto: google

    Am Ende musste Lee Se-dol eingestehen: Der Computer hat gewonnen.

  • Go-Weltmeister Lee Se-dol
    foto: lee jin-man / ap

    Go-Weltmeister Lee Se-dol

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