Siemens-Chef Hesoun hofft auf Öffi-Aufträge

8. März 2016, 19:12
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Der Österreich-Ableger spürt "mäßige" Investitionsneigung, jammern will Wolfgang Hesoun aber nicht

Wien – Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun will in die Unkenrufe um den Wirtschaftsstandort Österreich nicht einstimmen. "Die Stimmung in der Realwirtschaft ist schlechter als die Realität", versicherte Hesoun am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. "Den Unternehmen geht's nicht so schlecht, wie die verbreitete Meinung den Anschein wecken könnte."

Die Exportquote sei auf Rekordniveau, und die Steuerreform werde den privaten Konsum beleben. Dass Österreich gegenüber Deutschland zurückgefallen sei, liege auch daran, dass Österreich hauptsächlich als Zulieferer nach Deutschland und in den Euroraum statt in den Dollarraum exportiere. Auch würden in Rankings Arbeitnehmerschutz, Demokratie und Mitbestimmung unterschiedlich gewichtet.

Siemens Österreich, das 19 Länder in Zentral- und Osteuropa betreut, hofft auf Auftragsvergaben der öffentlichen Hand ebenso wie von Energieversorgern, Krankenhäusern und der Bahn. Wiener Linien will bis Jahresende entscheiden, wo 45 U-Bahn-Garnituren (als Ersatz für die sogenannten Silberpfeile) gekauft werden, und die ÖBB bereitet den Ankauf von Güterlokomotiven vor. Man spüre die Zurückhaltung der Staaten bei Infrastrukturausgaben, sagt Hesoun, der auf Belebung durch den sogenannten "Juncker-Fonds" hofft. Gut laufe der Bereich Digitalisierung, die Industrie rüste massiv für "Industrie 4.0" auf.

Zahlen zur Geschäftslage der Siemens-Gruppe in Österreich wollte Hesoun unter Hinweis auf Konzernrichtlinien nicht nennen. Der Lagebericht der im Firmenbuch hinterlegten Bilanz 2015 (per 30. September 2015) verweist auf "mäßiges Wachstum" in den Kernmärkten. Die Leitgesellschaft Siemens AG Österreich erwirtschaftete mit 7738 Beschäftigten von 2,66 auf 2,53 Milliarden Euro geschrumpfte Umsatzerlöse, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg von 67,34 auf 199,5 Millionen Euro in die Höhe, was auch dem Finanzergebnis (108,8 Mio. Euro) geschuldet ist.

Die Schrumpfung ist auch auf den Verkauf des Anlagenbauers Siemens VAI an das mit Mitsubishi gegründete Joint Venture Primemetals zurückzuführen, dem Siemens 85,69 Mio. Euro zuschießen musste. Die Zahlen in der AG-Bilanz seien nicht aussagekräftig, sagt Hesoun, berücksichtige nur Mehrheitsanteile. Die Siemens-Gruppe mit 10.500 Beschäftigten sei wesentlich breiter aufgestellt. Konsolidiert werde einzig im Konzern in München, daher seien die Zahlen nach Unternehmensgesetzbuch nicht relevant. (ung, 8.3.2016)

  • Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun
    foto: reuters/bader

    Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun

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