Wie man schnell einen Kran faltet

12. März 2016, 10:00
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Ein Assistenzsystem, das die Arbeit mit Kränen vereinfacht

Wien – Container, Holzstämme oder die Fertigteile eines Hauses, große Kabelrollen, Ziegellieferungen oder anderes Baumaterial – um schwere Fracht schnell und effizient auf den Lkw auf- und abzuladen, gibt es Ladekräne, die hinter der Kabine oder am Heck des Fahrzeugs montiert sind. Sie bestehen aus einem Hauptarm, der per Gelenk mit einem Knickarm verbunden ist und mehreren hydraulischen Schubarmen. Man kann Seilwinden, Greifer oder Gabeln darauf montieren. Neben der Ladefunktion helfen die Kräne auch noch bei der Montage schwerer Gegenstände oder an unzugänglichen Stellen. Sie sind so etwas wie das Schweizer Messer auf einem Lkw.

Der Salzburger Hersteller Palfinger ist Weltmarktführer für diese Art von Kränen und hat mehr als 120 Modelle im Angebot, die sich durch Faktoren wie Hubkraft oder Reichweite unterscheiden. Mittlerweile können die Modelle nicht mehr nur am Steuerstand, sondern auch per Funkfernbedienung gesteuert werden.

Um die Bedienung noch mehr zu vereinfachen, wurde bei Palfinger in eineinhalbjähriger Arbeit das Assistenzsystem P-Fold entwickelt, mit dem das Ausfahren und Zusammenlegen der Kräne unterstützt wird. Mit diesem Projekt zählt das Unternehmen zu den Nominierten des Staatspreises Innovation 2016, der vom Wirtschaftsministerium am 29. März vergeben und von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice abgewickelt wird.

"Das System ist besonders für Kräne gedacht, die über Ausstattungen wie einen Zusatzknickarm verfügen und wo die Komplexität der Steuerung relativ hoch ist", erklärt Peter Lukas von Palfinger. "Es funktioniert in Kombination mit einer Funksteuerung, erhöht den Bedienkomfort, spart Zeit und verbessert die Sicherheit." Unter anderem hilft die Technik, Beschädigungen von Gütern, Lkw-Aufbauten oder Fassaden durch Steuerungsfehler zu vermeiden.

Halbautomatisches System

Das Assistenzsystem funktioniert halbautomatisch: Anstelle die Auslenkung mehrerer Hebel gleichzeitig koordinieren zu müssen, muss der Anwender nach Aktivierung von P-Fold nur noch einen Hebel drücken, um den Kran an eine definierte Endposition zu führen. "Ungeübten erspart es ein Herumprobieren, und selbst Profis können nicht schneller sein als das Assistenzsystem", sagt Lukas.

Die Technik besteht aus Sensoren, die am Kran angebracht sind, und einer Software, die aufgrund der Sensordaten die Kranbewegungen lenkt. "Die Herausforderung bei so einer Technik ist es, für eine Vielzahl von Modellen einen Ablauf zu finden, der überall gleich ist", sagt Lukas. "Knickbewegung und Seilwinde müssen koordiniert werden. Bei der Entwicklung wurde auf die engen Toleranzfenster bei Ablage- und Parkpositionen der Lkw-Aufbauten Rücksicht genommen."

Gerade dass das System die Seilwinde "mitdenkt", sei wichtig. Das Seil muss sich entsprechend der Position des Kranes ein- oder ausrollen, die unterschiedlichen Knickstellungen benötigen unterschiedliche Längen. Die Entwickler sorgten deshalb dafür, dass P-Fold auch mit dem System für die Seilspannung zusammenarbeitet. An der Fernsteuerung versinnbildlichen leicht verständliche Icons mögliche Aktionen. (pum, 12.3.2016)

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