Baden-Württembergs Grüne gehen zuversichtlich ins Finale

9. März 2016, 08:00
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Die Wähler könnten die Grünen erstmals zur stärksten Kraft machen. Zugpferd ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Es ist nicht so, dass gar kein Mensch außerhalb von Baden-Württemberg Guido Wolf kennt. Seinen großen Moment hatte der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl Anfang Dezember, als er Kanzlerin Angela Merkel beim Parteitag einen Plüschwolf überreichte und berichtete, in seinem Ländle sei wieder ein echter Wolf gesichtet worden.

Seither nennen Naturschützer Baden-Württemberg "Wolfserwartungsland", und Guido Wolf tut das auch. Er meint damit allerdings nicht das Raubtier, sondern sich selbst. Merkel war anzusehen, dass sie das mit dem knuddeligen Plüschwolf nicht ganz so toll fand. Aber sie machte gute Miene zum kindischen Spiel. Schließlich stand die CDU in Baden-Württemberg in Umfragen gut da und bereitete sich darauf vor, einen in ihren Augen historischen Irrtum zu beseitigen – nämlich den ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands. "Es wird ja nicht noch einmal ein AKW in Fukushima explodieren", feixte man in der Südwest-CDU.

CDU-Abwahl nach 58 Jahren

Dieses Ereignis war es, das die CDU 2011 letztlich das Regierungsamt kostete. Zuvor hatte sie 58 Jahre lang durchgehend das Amt des Ministerpräsidenten besetzt. Dann ereignete sich im März 2011 – vier Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg – der Super-GAU von Fukushima. Die die Atomkraft bejahende CDU sackte von 44,2 auf 39 Prozent, die Grünen stiegen von 11,7 auf 24,2 Prozent und waren sogar stärker als die SPD (23,1 Prozent). Seither regiert Grün-Rot unter Winfried Kretschmann das als konservativ geltende Bundesland.

"Ist Kretschmann eigentlich ein Schwarzer?", fragt der Moderator den Ministerpräsidenten bei einer Wahlveranstaltung in Karlsruhe. "Desch is’ Blödsinn", antwortet der, wenngleich er sich über die neuesten Umfragen freut. Diese sagen den Grünen am Sonntag den Wahlsieg mit 32 Prozent voraus, die CDU liegt nur bei 28 Prozent.

Womöglich Desaster für den SPD

Unklar ist aber, ob Grün-Rot weiterregieren kann. Die SPD ist im Keller, nämlich bei rund 13 Prozent, dieses Ergebnis könnte auch die AfD erreichen. Zwar besetzt die SPD mit dem Wirtschafts- und dem Finanzministerium im wirtschaftsstarken "BaWü" Kernressorts. Aber sie hat keine Chance, sich gegen Kretschmann zu profilieren.

Der war quasi vom ersten Tag an Landesvater: Grün, aber dennoch konservativ. Neuem aufgeschlossen, aber dennoch ein Ministerpräsident, der im Autoland Baden-Württemberg selbstverständlich den Dienst-Mercedes fährt.

In einem Wahlkampfspot hobelt er sorgsam an einem Stück Holz und erklärt, "etwas schaffen zu wollen, das bleibt". Während Wolf über einen "schwierigen Wahlkampf" und einen "steinigen Weg" klagt, sagt der populäre Kretschmann in bedächtigem Singsang: "Wir haben Ökologie und Ökonomie versöhnt. Das ist der Weg Baden-Württembergs."

"Kretsch" kann Krise

Wo immer er mit seinem Wahlkampfmobil, dem "Busle" (ein sehr kleiner Bus), hinkommt, macht "Kretsch" deutlich, dass die ersten fünf Jahre erst der Anfang waren: "Wir haben das Land gut und ordentlich regiert, mehr ist es erst mal auch nicht." Jetzt müsse man nicht nur noch mehr Jobs durch die Energiewende schaffen, sondern auch weiter daran arbeiten, "Bildungserfolge von der Herkunft" zu entkoppeln.

Natürlich ist das Flüchtlingsthema im Wahlkampf immer dabei. Kretschmann hat dafür einen einprägsamen Slogan gefunden: "Wir können auch Krise." Will heißen: Er unterstützt Merkel in ihrer Flüchtlingspolitik. Als der Realo im Bundesrat dafür stimmte, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien zu sicheren Herkunftsländern zu erklären, gab es noch Unruhe bei den Grünen.

"Bete jeden Tag, dass Kanzlerin gesund bleibt"

Doch jetzt, da Kretschmanns Kurs den Wahlsieg bedeuten könnte, ist jegliche Kritik verstummt. Er kann sich sogar den Satz erlauben: "Ich bete jeden Tag, dass die Kanzlerin gesund bleibt."

Derlei würde CDU-Mann Wolf nicht über die Lippen kommen. Er ist wie seine rheinland-pfälzische Parteikollegin Julia Klöckner auf Distanz zu Merkel und fordert Tageskontingente für Flüchtlinge. Bevor er sich dafür aussprach, hat er nicht einmal Baden-Württembergs CDU-Chef Thomas Strobl informiert – und Merkel schon gar nicht. Diese jedoch tourt dennoch unermüdlich durchs Lände und bittet: "Wählen Sie CDU, wählen Sie Guido Wolf zum Ministerpräsidenten dieses Landes!" (Birgit Baumann aus Karlsruhe, 9.3.2016)

  • Die CDU in Baden-Württemberg versteckt Guido Wolf schon einmal, Ministerpräsident Winfried Krteschmann ist das Ass im Ärmel der Grünen.
    foto: apa / afp / thomas kienzle

    Die CDU in Baden-Württemberg versteckt Guido Wolf schon einmal, Ministerpräsident Winfried Krteschmann ist das Ass im Ärmel der Grünen.

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