Max Kühner: Sportpartner auf Simons Spuren

9. März 2016, 08:42
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Ende März ist Österreich erstmals seit 1998 wieder bei einem Weltcupfinale der Springreiter vertreten. Der gebürtige Bayer Max Kühner wandelt nicht nur in dieser Hinsicht auf Hugo Simons Spuren. Der Altmeister hilft ihm

Wien – Auf gebaut kommt's nicht unbedingt an. Staturmäßig könnten Max Kühner und Hugo Simon zum Beispiel unterschiedlicher nicht sein – da der hochaufgeschossene, 42-jährige Reitersmann, dort sein knapp 32 Jahre älteres, knorriges Vorbild.

Ihre sportliche Geschichte ähnelt sich zumindest schon in einem Punkt. Beider Talent als Springreiter bekam in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung nicht die erhoffte Entfaltungsmöglichkeit. Beide wechselten daher sportlich nach Österreich. Simon wurde zu einer Ausnahmeerscheinung seines Metiers, in puncto Stil wie Erfolg.

Kühner, seit Anfang des Vorjahrs für Österreich unterwegs, eifert nach. Vom 23. bis 28. März trägt er die Hoffnungen des Österreichischen Pferdesportverbands (OEPS) beim Weltcupfinale in Göteborg. Ausgerechnet in Göteborg, wo Simon das allererste Weltcupfinale 1979 auf Gladstone gewann und wo er 1997 neuerlich auf E.T. seinen im Jahr davor in Genf erzielten Erfolg wiederholte. Heute ist der Weltcupfinale-Rekordsieger Teamchef der Nationenpreis-Equipe der Österreicher und damit auch Kühners sportlicher Vorgesetzter.

Nicht als solcher, sondern als Hüter eines unermesslichen Erfahrungsschatzes begleitet er den gebürtigen Münchner nach Schweden, wo eine recht kleine Halle, ein begeisterungsfähiges Publikum und Prüfungen höchster Schwierigkeit warten. "Schon ein S-Springen wäre anderswo ein Grand Prix", sagt Simon.

Starke Saison

Nicht, dass Kühner ein Frischg'fangter wäre. Er hätte schon 2009 das Weltcupfinale in Las Vegas schmücken können, verzichtete dann aber wegen einer Transportverletzung seines damaligen Rosses Acantus GK. Diesmal trugen vor allem die Zangersheider Stute Electric Touch und der Holsteiner Schimmelhengst Chardonnay Kühner und dessen Ambition ins Finale. Zusammen kam man auf Rang 14 der Western European League und gab dabei Stars wie dem Schweizer Olympiasieger und Titelverteidiger Steve Guerdat und dem Deutschen Ludger Beerbaum das Nachsehen.

Beide Rösser sind erst neun Jahre alt. "Das ist immer Neuland, da gehören Überraschungen dazu", sagt Kühner. Electric Touch ist wegen ihrer hohen Grundschnelligkeit mit von der Partie, Kühners eigentlicher "Sportpartner", wie er sagt, ist aber der sprunggewaltige und kaum fehleranfällige Chardonnay, der in der Szene Begehrlichkeiten weckt.

Kaufangebote werden sich mehren, zumal, wenn Kühner in Göteborg Erfolg hat. Zusammen mit seiner dänischen Frau Liv, einer Dressurreiterin, betreibt er einen auf die Ausbildung von zugekauften Sportpferden spezialisierten Stall in Hadorf nahe dem Starnberger See. Der Verkauf von Pferden, mehr als 50 waren es in den vergangenen Jahren, gehört dazu. Bei Chardonnay ist die Frage, wie lange es Kühner übers Portemonnaie bringt, ihn nicht zu verkaufen. Eine Frage, die natürlich auch Nationenpreis-Kapitän Simon beschäftigt. Ohne Spitzenpferd, das weiß auch einer der besten Springreiter aller bisherigen Zeiten, geht nichts. Auf wie beritten kommt's nämlich schon an. (Sigi Lützow, 9.3.2016)

  • "Sportpartner" nennt Max Kühner seinen Holsteiner Schimmelhengst Chardonnay. Den 42-Jährigen samt dessen Hoffnungen trägt der Neunjährige beim Weltcupfinale in Göteborg.
    foto: oeps /holcbecher

    "Sportpartner" nennt Max Kühner seinen Holsteiner Schimmelhengst Chardonnay. Den 42-Jährigen samt dessen Hoffnungen trägt der Neunjährige beim Weltcupfinale in Göteborg.

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