Zweiter Jahrestag: Schicksal von MH370 bleibt ein Rätsel

8. März 2016, 17:22
50 Postings

Der aktuelle Zwischenbericht zur Suche nach der Boeing 777 besteht aus nur drei Seiten

Die Lichter im Bürogebäude in Canberra, in dem sich die Einsatzzentrale der Suche nach MH370 befindet, blieben auch am Dienstagabend an – und in der Nacht. Seit zwei Jahren, rund um die Uhr, werden aus dem Zentrum der australischen Hauptstadt die Spezialschiffe koordiniert, die Tausende von Kilometer entfernt im Süden des Indischen Ozeans nach der Passagiermaschine suchen.

Obwohl sich Einsatzkräfte zuversichtlich geben, gab es am Dienstag wenig Grund zur Hoffnung. Ein in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur veröffentlichter Bericht zum zweiten Jahrestag des Vorfalls war gerade einmal drei Seiten lang. Das Dokument enthielt fast keine neuen Informationen über mögliche Ursachen des Verschwindens der Boeing 777. "Eine Papierverschwendung", sagte die Angehörige Grace Nathan, die um ihre verschollene Mutter trauert, zur dpa.

Die Maschine von Malaysia Airlines war am 8. März 2014 auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking erst dramatisch und aus bisher unbekannten Gründen vom Kurs abgewichen und später spurlos verschwunden. Nach der Auswertung von Satellitendaten und anderen Informationen durch China, Malaysia und Australien kamen Experten zu dem Schluss, das Flugzeug müsse im südlichen Indischen Ozean vor Australien ins Meer gestürzt sein. Ein im Juli 2015 auf La Réunion gefundener Wrackteil, der von MH370 stammt, bestätige, dass man im richtigen Gebiet suche, so der Einsatzleiter. Ob in jüngster Zeit angeschwemmte Flugzeugteile auch von MH370 sind, steht nicht fest.

grafik: standard

Bis in 4000 Meter Tiefe

Bisher haben Schiffe der drei Länder im Gebiet südwestlich vor der australischen Westküste 85.000 von 120.000 Quadratkilometern Meeresboden abgesucht. Dabei werden Geräte eingesetzt, die in bis zu 4000 Metern Tiefe fotografieren können. Die Bilder werden von Experten analysiert.

Bisher wurden mehrere Schiffswracks entdeckt – aber keine Spur der Boeing. Die von Australien koordinierte Suche soll im Juli eingestellt werden. "Während wir die verbliebenen 30.000 Quadratkilometer absuchen, bleiben Australien, Malaysia und China zuversichtlich, dass das Flugzeug gefunden wird", so Australiens Verkehrsminister Darren Chester. Unterschiedliche Quellen schätzen die Gesamtkosten auf 120 bis 200 Millionen Euro.

Viele Angehörige haben erklärt, einen Abbruch der Suche nicht tolerieren zu wollen. "Wir müssen Gewissheit haben, was mit unseren Liebsten geschehen ist", so eine Sprecherin im australischen Fernsehen. Angehörige chinesischer Passagiere haben kurz vor dem zweiten Jahrestag und dem Ablauf der gesetzlichen Frist Schadenersatzklagen gegen Malaysia Airlines, den Flugzeugbauer Boeing und den Triebwerkshersteller Rolls-Royce eingereicht. Sie fordern pro Familie zwischen 1,4 und 9,8 Millionen Euro, so der Anwalt Zhang Quihuai. Eine Gruppe von Angehörigen habe bereits Wiedergutmachungen der Fluglinie akzeptiert, heißt es aus juristischen Kreisen. (Urs Wälterlin aus Canberra, 8.3.2016)

  • Die Angehörigen der Passagiere von Flug MH370 wehren sich gegen eine Einstellung der Suche.
    foto: apa/afp/manan vatsyayana

    Die Angehörigen der Passagiere von Flug MH370 wehren sich gegen eine Einstellung der Suche.

Share if you care.