US-Wahlkampf ohne Michael Bloomberg: Zwei Gewissensfragen

Kommentar8. März 2016, 17:27
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Es zeugt von Charakter, sich einzugestehen, dass eine eigene Kandidatur wohl alles nur schlimmer gemacht hätte

Zugegeben: Ein Dreikampf um die amerikanische Präsidentschaft – mit dem Republikaner Donald Trump, der Demokratin Hillary Clinton und dem Unabhängigen Michael Bloomberg – hätte schon großen Charme gehabt. Es wäre ein Kräftemessen zwischen drei New Yorker Größen gewesen: Ein Baulöwe, eine frühere Senatorin und ein Ex-Bürgermeister hätten den Job des mächtigsten Amtes der Welt unter sich ausgemacht.

Doch dazu wird es nicht kommen: Bloomberg verzichtet, weil er erkannt hat, Trump zu wenig entgegensetzen zu können. Er hätte ihn kaum einbremsen, geschweige denn stoppen oder gar schlagen können. Ärger noch: Der 74-jährige Milliardär Bloomberg hätte Clinton wohl mehr Stimmen gekostet als den schrillen Reality-TV-Star Trump. Es spricht für Bloomberg, diese bittere Analyse zugelassen und sich auch nach ihr gerichtet zu haben. Es zeugt von Charakter, sich einzugestehen, dass eine eigene Kandidatur wohl alles nur schlimmer gemacht hätte.

Und so, wie es für Bloomberg eine Frage des Gewissens war, Trumps Sieg verhindern zu wollen, war es wohl auch das Resultat ähnlicher Überlegungen, sich nicht Clinton in den Weg zu stellen. Die beiden sind zwar nicht besonders enge Freunde, doch sie haben in der Vergangenheit oft erfolgreich politisch zusammengearbeitet. Und wer weiß, ob eine künftige Präsidentin Clinton nicht einen entschlusskräftigen Partner in ihrer Regierung brauchen kann. (Gianluca Wallisch, 8.3.2016)

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