Pfarrer in Bayern fürchtet um sein Leben

8. März 2016, 16:58
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Der schwarze Geistliche Olivier Ndjimbi-Tshiende tritt zurück, die Grünen geben der CSU eine Mitschuld am Fremdenhass

Zorneding/Berlin – Es war eine betrübliche Mitteilung, die Olivier Ndjimbi-Tshiende den Mitgliedern seiner Gemeinde machen musste. Wegen der "Erfahrungen der letzten Zeit" könne er nicht mehr Pfarrer in der 9.000-Einwohner-Gemeinde Zorneding in der Nähe von München sein, sondern müsse sein Amt aufgeben.

Zermürbt und geängstigt haben den 66-Jährigen, der aus dem Kongo stammt und seit Jahren deutscher Staatsbürger ist, Drohungen und rassistische Beleidigungen – auch aus der CSU. Im Herbst, als immer mehr Flüchtlinge nach Bayern kamen, schrieb die Zornedinger CSU-Politikerin Sylvia Boher im "Zorneding-Report" von einer "Invasion" und von "Militärdienstflüchtlingen" aus Eritrea.

CSU-Politiker zurückgetreten

Pfarrer Ndjimbi-Tshiende hielt dagegen und forderte zu einem menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen auf. Das wiederum rief den CSU-Ortsvereinsvorsitzenden Johann Haindl auf den Plan. Er sagte, Ndjimbi-Tshiende müsse aufpassen, dass ihm der Altpfarrer von Zorneding "nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger".

Zwar sind beide CSU-Politiker mittlerweile zurückgetreten, doch nach ihren Aussagen erreichten den Pfarrer jede Menge anonyme Drohungen und Beleidigungen. "Ab mit dir nach Auschwitz", lautete eine davon. Ein paar Wochen hielt der habilitierte Philosoph noch durch, jetzt gab er auf – ohne Verbitterung, aber doch mit einer gewissen Erleichterung, wie das Erzbistum München erklärt.

Seehofers Solidarität

Der Fall wird deutschlandweit diskutiert, zumal auch die CSU in der Kritik steht. "Seehofer muss sich mit dem Pfarrer solidarisieren, ihm – auch durch einen Besuch vor Ort mit einem persönlichen Gespräch – öffentlich beistehen", fordert die Chefin der Grünen im Landtag, Margarete Bause. Sollte Bayerns Ministerpräsident das nicht tun, dann feiern laut Bause "Rassisten hier letztlich mit Billigung der CSU einen Erfolg, den es in Bayern niemals geben darf". Seehofer bezeichnete die Vorfälle in Zorneding als "völlig inakzeptabel".

In der CSU wehrt man sich gegen den Vorwurf der Mitschuld. "Einen solchen Zusammenhang herzustellen ist böswillig", sagt Ilse Aigner, Wirtschaftsministerin von Bayern und CSU-Vorsitzende von Oberbayern. Für den Berliner Erzbischof Heiner Koch ist der Fall eine "Katastrophe". Die deutschen Bischöfe müssten ein Zeichen setzen, es gebe inzwischen mehr als 1.300 Priester aus dem Ausland in Deutschland. (Birgit Baumann aus Berlin, 8.3.2016)

  • Olivier Ndjimbi-Tshiende soll bleiben, forderten bis Dienstag 40.000 Menschen in einer Onlinepetition. Doch der Geistliche will nicht mehr.
    foto: apa/dpa/rossmann

    Olivier Ndjimbi-Tshiende soll bleiben, forderten bis Dienstag 40.000 Menschen in einer Onlinepetition. Doch der Geistliche will nicht mehr.

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