Reinhold Mitterlehner in ATV-"Klartext": Wenn Sprache beerdigt

8. März 2016, 16:38
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Bei abgedrehtem TV-Ton wirkt das sogar souverän – bis eben Sätze hörbar wurden

ATV war mäßig entzückt. Der Kanzler hatte Reizvolleres zu tun, als das Date wahrzunehmen, um bei Klartext die Triumphe seiner Regentschaft – zusammen mit seinem Vize – Revue passieren zu lassen. Werner Faymann sparte sich selbst für den ORF auf, der ihn bald ins Zentrum rückt. Einsam strahlen - wie Kanzlerin Merkel bei Anne Will auf ARD!

Der Mann, der nun bei Klartext übrig blieb, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, wirkte dann aber weder versetzt noch erfreut. Zu vermuten war zwar, dass ihm jede Minute ohne Faymann wohlige Schauer der Erleichterung beschert. Dies nicht zu zeigen gehört jedoch zur Überlebenshöflichkeit eines Großkoalitionärs.

Doch Mitterlehner übertrieb. Statt sich als jemand zu präsentieren, der – befreit vom Ballast eines ideologischen Gegenüber – klar formulierend auch den Willen bekundet, das Kanzleramt zu erobern, zog sich Mitterlehner zurück auf seine spezielle, durch seltsame Bilder gewürzte Sprache. In den Sätzen wirkte die Botschaft bisweilen eher beerdigt als aufs Podest der Klarheit gehoben.

Gefasst bis milde lächelnd saß er da, bei abgedrehtem TV-Ton wirkt das sogar souverän – bis eben Sätze hörbar wurden. Mitterlehner wollte "die ganze Problematik von der Rhetorik befreien". Auch fand er es verhängnisvoll "zu vergleichen, wo wir nicht Äpfel und Birnen haben": Und wie es im Finale Richtung "Wollen Sie Kanzler werden?" ging, mutete Mitterlehner an wie ein Mann, der noch einen Vormund um Erlaubnis bitten muss.

"Garantieren wird man viele Entwicklungen erst dann können, wenn sie eingetreten sind." Später immerhin: "Ich strebe das an." Aber irgendwie schien es da schon zu spät. (Ljubiša Tošić, 8.3.2016)

  • Reinhold Mitterlehner in "Klartext" bei Martin Thür.
    foto: screenshot / atv.at

    Reinhold Mitterlehner in "Klartext" bei Martin Thür.

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