Lada-Chef kommt unter die Räder

8. März 2016, 16:08
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Bo Andersson muss bei Avtovaz seinen Posten räumen, die Aktionäre reagieren auf Verluste und Unzufriedenheit

Die Schwedenzeit beim russischen Autobauer Avtovaz ist vorbei: Generaldirektor Bo Andersson muss seinen Posten räumen. Die Aktionäre zogen angesichts massiver Verluste und steigender sozialer Unzufriedenheit im Produktionsstandort Togliatti die Notbremse. "Wir brauchen jetzt einen anderen Mann", erklärte der Chef der staatlichen Industrieholding RosTech (besitzt 32,8 Prozent der Avtovaz-Aktien) Sergej Tschemesow schon in der vergangenen Woche. Die Gerüchte über eine bevorstehende Ablösung wurden nun auch von Hauptaktionär Renault-Nissan (verfügt über 67,1 Prozent der Aktien)bestätigt. Der neue Generaldirektor soll am 15. März ernannt werden.

Hochfliegende Pläne

Andersson, Ende 2013 vom Branchenkonkurrenten Gaz abgeworben, kam mit hochfliegenden Ambitionen: Der 60-jährige Topmanager versprach trotz der Krise auf dem russischen Automobilmarkt den Marktanteil zu halten und den Konzern in die Gewinnzone zu steuern. Stattdessen vergrößerte sich der Verlust von 25,4 Milliarden Rubel 2014 auf 74 Milliarden Rubel im abgelaufenen Jahr.

Dabei kehrte Andersson mit eisernem Besen aus und hob die Qualität der Produktion deutlich an: Unter seiner Leitung erhöhte sich die Anzahl der Ladas, die ohne Defekt vom Fließband fuhren, auf 88 Prozent, während zuvor nur lächerliche 56 Prozent der Fahrzeuge fehlerlos produziert wurden. Das neueste Modell, der Lada Vesta, schaffte es in der Rekordzeit von nur einem Jahr vom Konzept-Car zur Serienproduktion. Bei einer Testfahrt im Oktober lobte Russlands Präsident Wladimir Putin den Vesta als "sehr gutes Auto, schnell in der Beschleunigung, leicht in der Steuerung."

Hartes Vorgehen

Am Ende half dem Schweden auch das Lob des Kremlchefs nicht mehr. Zur Kostensenkung hatte Andersson Massenentlassungen forciert und damit die ohnehin angespannte soziale Lage in der vom Werk abhängigen Stadt weiter verschärft. Von über 60.000 Mitarbeitern sind inzwischen nur noch 40.000 in Beschäftigung. "Die Unzufriedenheit in Togliatti wuchs. Ich habe ihn mehrfach gewarnt, vorsichtiger zu sein, aber er hat es nicht verstanden", kritisierte Tschemesow, ein enger Vertrauter Putins, dessen hartes Vorgehen. Zudem habe Andersson entgegen der russischen Politik der Importverdrängung die Abhängigkeit des Konzerns von ausländischen Zulieferern noch erhöht, während die einheimischen Lieferanten pleite gingen.

Freilich dürfte sich auch für Anderssons Nachfolger die Aufgabe, Gewinn zu erwirtschaften und gleichzeitig den sozialen Frieden zu sichern, als unlösbares Dilemma erweisen. 2015 ist der russische Fahrzeugmarkt im Vergleich zum ohnehin schwachen Jahr 2014 noch einmal um 35,7 Prozent auf insgesamt 1,6 Millionen zugelassene Neufahrzeuge zurückgegangen. Die Zahlen für Januar 2016 – Minus 29,1 Prozent – deuten eine Fortsetzung des fatalen Trends an. Russland ist für Avtovaz der Kernabsatzmarkt. Versuche, in Europa Fuß zu fassen, sind weitgehend gescheitert. Die Zukunftsaussichten des Lada-Produzenten sind damit trübe. (André Ballin, 8.3.2016)

  • Bo Andersson und Wladimir Putin bei einer Testfahrt im Oktober mit dem Vesta. Putin lobte ihn als "sehr gutes Auto, schnell in der Beschleunigung, leicht in der Steuerung."
    foto: apa/epa/alexey druzhinin / ria n

    Bo Andersson und Wladimir Putin bei einer Testfahrt im Oktober mit dem Vesta. Putin lobte ihn als "sehr gutes Auto, schnell in der Beschleunigung, leicht in der Steuerung."

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