Österreich kann sich so billig verschulden wie nie zuvor

8. März 2016, 13:00
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Für fünfjährige Anleihen zahlen Investoren 0,205 Prozent drauf – Bundesfinanzierungsagentur-Chef Stix: "Absolut tiefstes Niveau bisher"

Wien – Die Republik Österreich hat sich noch nie so günstig verschulden können wie an diesem Dienstag. Bei der Auktion von fünfjährigen Bundesanleihen waren Investoren bereit, für 600 Millionen Euro eine negative Durchschnittsrendite von 0,205 Prozent zu akzeptieren. "Das ist das absolut tiefste Niveau, das wir jemals gehabt haben", sagte Markus Stix, Chef der Bundesfinanzierungsagentur, der APA.

Bereits im März des Vorjahrs konnte die Bundesfinanzierungsagentur eine Anleihe mit negativer Rendite emittieren, diese lag aber "nur" bei minus 0,03 Prozent. Auch die im Februar erstmals begebene zehnjährige Bundesanleihe erzielte bei der Auktion am Dienstag sehr gute Konditionen für die Republik: Für 400 Millionen Euro erhielten die Investoren eine Verzinsung von durchschnittlich 0,612 Prozent. Das sind 15 Basispunkte weniger als bei ihrer Erstbegebung im Februar.

Zehnjährige Anleihe dreifach überzeichnet

Im zehnjährigen Laufzeitenbereich lagen die Zinsen allerdings schon einmal tiefer. Im April 2015 konnten zehnjährige Bundesanleihen für 0,25 Prozent emittiert werden. Das hat laut Stix damit zu tun, dass die Zinskurve steiler geworden ist, was wiederum mit der bevorstehenden Zinssitzung der Europäischen Zentralbank zusammenhänge. Gerüchten zufolge dürfte es dabei am Donnerstag zu einer weiteren Senkung der Einlagenzinsen für Banken bei der EZB auf minus 0,30 oder sogar bis minus 0,50 Prozent kommen. "Die EZB nimmt aber nur Papiere, die besser verzinst sind als dieser Zinssatz", sagt Stix. Somit kämen österreichische zehnjährige Anleihen dann wohl nicht mehr infrage.

Mit der Nachfrage ist Stix mehr als zufrieden. Die zehnjährige Anleihe habe mit einer fast dreifachen Überzeichnung den besten Wert seit März 2015 erreicht. Die 2,2-fache Überzeichnung für die fünfjährige Anleihe sei ein guter Mittelwert. Inzwischen notieren laut Stix rund 60 Prozent aller ausstehenden österreichischen Bundesanleihen mit negativen Zinsen. Das entspreche etwa einem Volumen von rund 120 Milliarden Euro. Die Zinsabstände zu den deutschen Benchmark-Anleihen seien ziemlich konstant geblieben. Die lange zehnjährige Emission werde mit einem Aufschlag von 40 Basispunkten und die fünfjährige Anleihe mit 17 Basispunkten gehandelt.

Mit den beiden Emissionen vom Dienstag sind 35 Prozent des für dieses Jahr geplanten Finanzierungsvolumens von 27 bis 30 Milliarden Euro erreicht worden. Stix: "Wir sind somit im Plan." (APA, 8.3.2016)

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