Deutscher Presserat prüft Richtlinie gegen Diskriminierung

8. März 2016, 10:35
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Es geht um Nennung der Herkunft von Straftätern – Seit Silvesterattacken in Köln großes Thema

Berlin – Der Deutsche Presserat stellt die Richtlinie zur Nennung der Herkunft von Straftätern auf den Prüfstand. Bei einem nicht-öffentlichen Treffen am Mittwoch in Berlin steht die Diskussion über die betreffende Richtlinie 12.1 im Pressekodex auf der Tagesordnung.

Die Richtlinie empfiehlt, bei der Berichterstattung über Straftaten die Zugehörigkeit der Täter zu religiösen oder ethnischen Minderheiten nur zu erwähnen, wenn es einen "begründeten Sachbezug" zu der Straftat gibt. Die Kritik an der Richtlinie ist nach den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln lauter geworden.

Augenzeugen und Opfer hatten nach den sexuellen Übergriffen auf zahlreiche Frauen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft gewesen. Viele Medien hatten zunächst nicht über die Herkunft der Tatverdächtigen berichtet. Kritiker der Richtlinie 12.1 monieren, sie erschwere die Berichterstattung über solche Aspekte.

In Österreich agiert der Presserat ähnlich wie sein deutsches Pendant: Die bloße Erwähnung der Herkunft eines mutmaßlichen Straftäters sei für sich alleine noch kein Verstoß gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse – vorausgesetzt, dass die betroffene Gruppe dadurch nicht pauschal als kriminell dargestellt oder verunglimpft werde, hieß es im Herbst. Dennoch könne auch die bloße Nennung der Herkunft von Straftätern bei manchen Lesern eine negative Einstellung und Ressentiments gegenüber der betroffenen Gruppe hervorrufen; Vorurteile können geweckt oder verstärkt werden, heißt es. (APA, red, 8.3.2016)

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