Hölle friert ein: Microsoft bringt SQL Server für Linux

8. März 2016, 08:57
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Hofft damit mehr Nutzer zu erreichen – Windows-Begrenzung wurde zunehmend zum Wettbewerbsnachteil

Was vor einigen Jahren noch vollkommen undenkbar schien, wird nun Realität: Microsoft hat eine Linux-Version seiner Datenbanklösung SQL Server – und damit eines seiner zentralen Server-Produkte – angekündigt.

Mehr Nutzer erreichen

In einem Blogeintrag des Unternehmens heißt es, dass die kommende Version der eigenen Software auch für das freie Betriebssystem erhältlich sein soll. Ziel sei es die eigenen Produkte mehr Nutzern zugänglich zu machen, betont Scott Guthrie, Executive Vice President der Microsoft Cloud and Enterprise Group bei Microsoft. In Hinblick auf die Details gibt sich Guthrie derzeit noch zurückhaltend, also etwa ob er SQL Server 2016 für Linux den selben Funktionsumfang enthalten soll. Allerdings spricht er von einer konsistenten Plattform über Betriebssysteme und Cloud hinweg, insofern sollte zumindest das Kern-Feature-Set übereinstimmen.

Red Hat und Canonical

Für welche Linux-Distributionen Microsoft den SQL Server anbieten wird, ist ebenfalls noch offen. Da man aber die Ankündigung mit unterstützenden Stellungnahmen von Red Hat und Ubuntu-Hersteller Canonical garniert hat, ist wohl davon auszugehen, dass zumindest deren Enterprise-Produkte den SQL Server von Anfang an unterstützen werden. Die private Testversion ist derzeit nur für Ubuntu und als Docker-Image verfügbar.

Zeitablauf

Das Gros der User muss sich allerdings noch etwas gedulden, bis die Linux-Ausgabe des SQL Servers verfügbar. Mitte 2017 gibt Microsoft derzeit als Termin für die fertige Version an. Ausgewählte Tester erhalten zwar ab sofort Zugriff auf die ersten Preview-Releases, öffentlich zugänglich ist dieses Programm aber nicht. Der SQL Server von Microsoft steht in direkter Konkurrenz zu freier Datenbanksoftware wie MySQL oder PostgreSQL sowie zu entsprechenden kommerziellen Angeboten von Oracle oder IBM.

grafik: microsoft
Microsoft legt seine Gefühle offen.

Einschätzung

Die aktuelle Ankündigung verdeutlicht, wie stark sich die strategische Ausrichtung von Microsoft mittlerweile gewandelt hat. War lange Jahre das gesamte Geschäft des Unternehmens voll und ganz auf Windows ausgerichtet, und alle Softwareentwicklungen dem Ziel untergeordnet, das eigene Betriebssystem zu fördern, setzt CEO Satya Nadella zunehmend auf plattformübergreifende Entwicklung.

Realitätscheck

Dahinter steckt nicht zuletzt eine Anpassung an die Marktrealitäten. Denn während Windows noch immer die meistverkaufte Server-Plattform ist, holt Linux seit Jahren auf. Laut der Marktforscher von Gartner wurden 2014 3,6 Millionen Linux-Server verkauft, drei Jahre zuvor waren es noch 2,4 Millionen. Im selben Zeitraum gingen die Verkäufe des Windows Servers von 6,5 auf 6,2 Millionen zurück. Software – im Gegensatz zu allen MItbewerbern – exklusiv für Windows anzubieten, wird also zunehmend zu einem Wettbewerbsnachteil für Microsoft.

Nur ein erster Schritt?

Dass Nadella bereits ist, einen solchen Realitätscheck vorzunehmen, und die entsprechenden Schritte zu setzen, hat er auch bereits in anderen Bereichen bewiesen. Angesichts dessen, dass das Interesse am mobilen Windows weiter gering ist, ist Microsoft zuletzt dazu übergegangen Android und iOS offensiv zu unterstützen. Angesicht dieses Umdenkens könnte die aktuelle Ankündigung nur ein erster Schritt im Sinne einer weiteren Linux-Öffnung des Softwareherstellers sein. Immerhin hat Microsoft noch einige andere Server-Produkte im Angebot, die von einer Portierung auf das freie Betriebssystem profitieren könnten. (Andreas Proschofsky, 8.3.2016)

  • Microsoft-Boss Satya Nadella hat einen Plan – und in dessen Kern steht nicht mehr Windows alleine.
    foto: ted s. warren / ap

    Microsoft-Boss Satya Nadella hat einen Plan – und in dessen Kern steht nicht mehr Windows alleine.

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