Mädchen- und Bubenspielzeug beeinflusst Entwicklung

8. März 2016, 08:59
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Bildungspsychologin: Breites Spielzeugangebot unabhängig von Geschlechterrollen wichtig

Wien – Barbies für Mädchen und Matchbox-Autos für Burschen: Das Spielzeug für ihre Kinder wählen die Österreicher noch immer oft nach Geschlechterklischees aus. "Spielen ist für Kinder die Hauptquelle des Lernens. Sie üben dabei bestimmte Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Wie sie dieses Repertoire ausbauen, hängt stark vom Spielzeugangebot ab", erklärte die Bildungspsychologin Marlene Kollmayer.

Die Auffassungen, welche Spielzeuge eher für Mädchen oder eher für Burschen geeignet sind, gehen laut Einschätzung der Expertin sehr eng mit klassischen Geschlechterstereotypen einher. Puppenküchen, Barbies und Bastelsets zählten zu den "Mädchenspielzeugen", Fahrzeuge, Bauklötze oder Spielzeugwaffen seien tendenziell eine Burschenangelegenheit. "Beim Spielen mit Puppen trainieren Mädchen verbale Fähigkeiten und die emotionale Intelligenz, also wie man sich in andere hinein versetzt. Gleichzeitig sehen sie, dass Barbie immer schön angezogen sein muss", gab sie zu bedenken.

Burschen üben räumliches Denken

Burschen hingegen üben durch typische "Bubenspiele" das räumliche Denken, Durchsetzungsvermögen, Wettbewerbsorientierung und das Ausbreiten im Raum. "Hier werden Rollen eingeübt, die später stark kritisiert werden. Denn wenn Männer von der Arbeit nach Hause kommen, erwartet man von ihnen, dass sie auch liebende Familienväter sind." Ist das Spielzeugangebot im Vorschulalter aber nur auf stereotype Produkte eingeschränkt, werden diese Fähigkeiten nicht trainiert. Laut Kollmayer kann das sogar zur Erklärung der Ergebnisse der PISA-Studie beitragen, in der Mädchen in allen Ländern tendenziell besser beim Lesen und Buben besser in Mathematik abschneiden.

Um Kindern zu helfen, alle ihre Potenziale auszuschöpfen, rät die Bildungsexpertin Eltern, ein möglichst breites Angebot an Spielzeug zur Verfügung zu stellen. Dabei soll sowohl klassisches "Mädchen-", als auch "Bubenspielzeug" vertreten sein. "Man muss als Elternteil auch darauf achten, wie man selbst darauf reagiert, wenn beispielsweise ein Bub mit einer Puppe spielt", betonte sie. Kinder seien sehr sensibel auf diese Reaktionen und würden auch ihren Eltern zuliebe mit geschlechterstereotypen Produkten spielen.

Mädchenversionen kommen auf

Das Bewusstsein von Eltern gegenüber dieser Thematik werde laut Kollmayer immer stärker. Doch gleichzeitig komme der gegenläufige Trend des "Geschlechtermarketings", bei dem ursprünglich geschlechtsneutrale Produkte in Buben- und Mädchenversionen angeboten werden, auf. Um Eltern über diese Problematik aufzuklären, hat das Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien im Auftrag des Familienministeriums bereits Konzepte für die Elternarbeit in Kindergärten entwickelt, die in Pilotprojekten in Wien getestet wurden. "Das ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, Kindern dabei zu helfen, möglichst viele Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu erproben", zeigte sich Kollmayer zuversichtlich. (APA, 8.3.2016)

  • Pink ist, was für Mädchen ist.
    foto: ap/paul sakuma

    Pink ist, was für Mädchen ist.

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