Ein Kärntner Finale ist keine Utopie mehr

7. März 2016, 22:58
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Wenn die Bärte wachsen, sprießt die Kärntner Hoffnung: Mit drei Siegen hat Eishockey-Rekordmeister KAC das Viertelfinale gegen Salzburg gedreht. Vier Salzburger Playoff-Pleiten en suite gab 's noch nie. Gibt es sie jetzt, so ist nach dem Vize, den Capitals, auch der Meister gescheitert

Klagenfurt/Wien – Eines muss man den Kärntnern lassen. Sie verlieren nie die Hoffnung, dass noch etwas gehen könnte. Kärnten ist quasi ein einziger Traum. Und manchmal geht dann auch wirklich etwas. Siehe Eishockey. Dreißig Meistertitel stehen in Klagenfurt, sechs in Villach zu Buche. Kein anderes Bundesland hält mit, allein Wien (22 Titel) ist ebenfalls zweistellig.

Wien wird so bald nicht aufholen, das steht fest, seit die Capitals am Sonntag im Viertelfinale scheiterten. Das Out gegen den Villacher SV (1:4-Siege) war ein klares. Wen verblüfft hatte, dass sich die Capitals als Dritter der Pick-Round den VSV – und nicht Linz – ausgesucht hatten, der sah sich bestätigt. Wobei: Nachher weiß man es ja immer besser.

Die Salzburger wissen noch nichts, eine Ahnung könnte sie aber schon beschlichen haben. Sie sind der regierende Meister und waren bis zum Playoff die Nummer eins im Land. Als solche hatten sie zuallererst ihren Gegner selbst bestimmen können, und die Wahl war auf den KAC gefallen, die Nummer acht. Vermeintlich. Denn auch Klagenfurt hatte sich im Saisonverlauf erfangen. Nun liegt der KAC im Viertelfinale mit 3:2-Siegen voran und kann heute, Dienstag (19.40, Servus TV), daheim alles klarmachen.

Die Klagenfurter haben die Serie nach 0:2-Rückstand mit drei Siegen, zwei davon auswärts, en suite gedreht. So gesehen, wäre es keine Sensation mehr, bliebe nach den Capitals auch der zweite Vorjahresfinalist auf der Strecke. Mit Blick allein auf den Grunddurchgang würde man von einem Wunder sprechen wollen. Da hatte der KAC in Heimspielen oft eine solche Lustlosigkeit an den Tag gelegt, dass das zahlende Publikum in Rage geriet. Noch Anfang Jänner gab's daheim gegen Salzburg ein 0:7, es war die vierte Niederlage im vierten Saisonduell.

Doch im Playoff wachsen die Spielerbärte und blühen die Hoffnungen. Beim KAC läuft plötzlich einer für den anderen, und Stürmer, die monatelang das eigene Drittel mieden, helfen plötzlich hinten aus. Mit Fortdauer einer Partie können die Klagenfurter meistens zulegen. Salzburg setzt vor allem auf überfallsartigen Beginn und die erste Linie Sterling-Duncan-Hughes. Diese ist spielerisch überragend, körperlich aber eher nicht – John Hughes ist 1,78, Brett Sterling 1,73 und Ryan Duncan 1,68 Meter groß. In Klagenfurt heißt man das Trio quasi liebevoll die "Minimundus-Linie".

Die Klagenfurter Zores in dieser Saison hatten sich auch in einem Trainerwechsel niedergeschlagen. Dem Kanadier Doug Mason folgte im Dezember der ehemalige Verteidiger Alexander Mellitzer. Er ist erst 36 Jahre alt, genießt aber das Vertrauen der KAC-Oberen und auch der Anhänger, die eher die Mannschaft für Misserfolge verantwortlich machten.

Fans sind nachtragend

Bei aller Freude über die Siege gegen Salzburg sind die Fans nicht restlos versöhnt. Mag sein, das würde sich mit dem Semifinaleinzug ändern. Ein Duell Klagenfurts mit den Freunden aus Villach ist erst im Finale möglich. Es wäre insofern eine Sensation, als dann die vor dem Viertelfinale schlechtesten Teams um den Titel spielen würden. Eine Utopie ist das nicht mehr. Kärnten träumt schon. (Fritz Neumann, 7.3.2016)


  • Seit Dezember gibt Alexander Mellitzer (36) als Coach die Richtung vor. Drei Monate später steht der KAC vor dem Einzug ins Semifinale.
    foto: apa/expa/jfk

    Seit Dezember gibt Alexander Mellitzer (36) als Coach die Richtung vor. Drei Monate später steht der KAC vor dem Einzug ins Semifinale.

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