Pitbull haut zu, Lugner schaut zu

Reportage8. März 2016, 11:51
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Harte Schläge, sexy Ladys, gebackene Schnitzel, blutende Nasen und ein buhlender Baumeister. Ein Abend in der Lugner City

Wien – "Pitbull! Pitbull!", werden die Leute später rufen. Es wird Konfettiregen geben. Die Leute werden jubeln. Pitbull wird jubeln. Aber noch ist es nicht so weit. Noch ist Pitbull Foad Sadeghi. Und Foad Sadeghi wird erst zum Pitbull, wenn er in den Boxring steigt. Sadeghi ist Thai- und Kickboxer. Sadeghi ist ziemlich erfolgreich. Welt- und Europameister ist der Wiener schon. An diesem Abend in der Lugner City im 15. Wiener Gemeindebezirk will "Pitbull" Sadeghi seinen Titel verteidigen.

Der Abend beginnt mit Stunk an der Kassa. "40 Euro?", fragt ein Mann, "in der Zeitung stand 30 Euro." Pech für den Herrn, Spätentschlossene zahlen drauf. Aber der Herr bekommt etwas geboten. "Es wird gekämpft und geschwitzt, wenn die Kick- und Thaiboxer in den Ring steigen und ihr Können zeigen", heißt es in der Ankündigung der "Fight Night".

Sprühnebel, bunte Lichter

Sadeghi selbst hat mitorganisiert. Geschäftig läuft er durch den VIP-Bereich. Noch ist er nicht Pitbull. Aus den Boxen tönt laute Musik. Sprühnebel, schwenkende bunte Lichter. In schwarz gekleidete junge Frauen geleiten die Gäste zu ihren Tischen. Weckerln, Schinken, Käse, Eier, Schnitzerln, Rotwein, Weißwein, Wasser. Alles da. So lässt es sich die Wartezeit verbringen. Gekämpft und geschwitzt wird noch nicht. Aber es gibt ja zu essen.

Otto Normalzuschauer (40 Euro) hängt und hungert an den Geländern des Einkaufszentrums. Im ersten Stock, im zweiten Stock. Perfekter Blick auf den Ring. Bereit für den Beginn. Um 17 Uhr sollte es losgehen. Eine Stunde später ergreift ein schwarz gekleideter Mann das Wort. Entschuldigt sich. Es soll jetzt losgehen. "Die eine oder andere Kinderkrankheit" hätte die Verzögerung verursacht.

Lugner lockt mit Kinokarten

"Begrüßen Sie Baumeister Ingenieur Richard Lugner." Der Hausherr, weinrotes Sakko, weinrote Jeans, kraxelt in den Ring. Der Hausherr hat ein Anliegen. Er will Bundespräsident werden, aber es könnte schon an der Kandidatur scheitern. 6000 amtlich beglaubigte Unterschriften braucht er dafür, er hat sie noch nicht. "Kommt’s unterschreib’n, kriegt’s a Kinokart’n."

Sagt’s und verschwindet an seinen Platz am Tisch, neben ihm Cathy Lugner. Es ist nicht Lugners Abend, aber Pitbulls. Pitbull lässt auf sich warten. Aber die Fight Night kann beginnen. Schlag auf Schlag, Kampf auf Kampf. Schweiß. Blut. Ein Kampf fällt aus. Der Moderator: "Bitte schlagen Sie mich nicht." Ein Ringrichter fällt aus. Der Moderator springt ein. "Ich habe die Ausbildung."

Frauen besteigen den Ring – vor jeder Runde. Schwarzes Minikleid, langes blondes Haar. Nummerngirls. Der Moderator: "Wir kommen zum vermeintlich schwachen Geschlecht." Frauen besteigen den Ring. Knappes Top, kurze Hose. Es wird gekämpft, eine Nase blutet. Machosprüche an den Tischen. Gelächter.

foto: bobbipix
In seinem 127. Kampf holte Sadeghi (rechts) seinen 101. Sieg.

Der Pitbull und die Haustechnik auf dem Rücken

Dann wieder echte Männer. Tattoos auf dem Rücken, an den Oberarmen, auf der Brust. Die Lugner City, nun ja, brodelt. Zwölf Kämpfe sind geschlagen. Der Höhepunkt steht an. 21.40 Uhr. Pitbull! Walk in. Musik. "Put your hands up." Stimmung. Es geht um die Titelverteidigung. Den Gegner, den Rumänen Robert Stoica, 21 Jahre, 25 Kämpfe, 22 Siege, wird er im Griff haben. Davon ist auszugehen. Sadeghi, 32 Jahre, 126 Kämpfe, 100 Siege, lebt von seinem Sport. "Das ist nicht leicht, aber ich habe Sponsoren." Ein Firmenlogo ist auf Sadeghis Rücken gemalt. Wolf Haustechnik.

Drei Runden à drei Minuten. Gekämpft wird nach dem K-1-Regelwerk. Damit können Vertreter aus verschiedenen Kampfsportarten, etwa Thaiboxen, Kickboxen, Taekwondo und Karate, gegeneinander antreten. "Bewegung! Bewegung!", ruft der Trainer. "Pitbull! Pitbull!", rufen die Leute. Früher habe er alle seine Kämpfe vorzeitig gewonnen. Deshalb der Spitzname. Pitbull schlägt, Pitbull kickt, Pitbull siegt. Einstimmig. Jubel. Konfettiregen.

Pitbull ist zufrieden. "Der Kampf war ganz okay. Es hat gereicht." Pitbull hat ein Andenken an Robert Stoica. Ein Cut unter dem linken Auge. Pitbull wird sich erholen. Er muss, am 18. März wird er wieder in den Ring steigen. Kampf Nummer 128 – im Multiversum Schwechat. Final Fight Championship. Es wird wieder gekämpft und geschwitzt werden. Die Leute werden wieder rufen: "Pitbull! Pitbull!" Nur Richard Lugner wird eher nicht zuschauen. Aber vielleicht wird er dann schon genügend Unterschriften beisammen haben. (Birgit Riezinger, 8.3.2016)

  • Augen zu und durch: Foad Sadeghi alias Pitbull (links) hatte keine Probleme mit dem Rumänen Robert Stoica.
    foto: bobbipix

    Augen zu und durch: Foad Sadeghi alias Pitbull (links) hatte keine Probleme mit dem Rumänen Robert Stoica.

  • Und der Sieger ist: Pitbull! Jubel! Konfettiregen!
    foto: bobbipix

    Und der Sieger ist: Pitbull! Jubel! Konfettiregen!

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