Waffen zum Frauentag: Der Politiker als Beschützer

Kommentar7. März 2016, 17:58
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Es wird Politik auf dem Rücken der Frauen gemacht, die als wehrlose Opfer dargestellt werden

Mit diesem Andrang hatten die Abgeordneten des Teams Stronach nicht gerechnet. Die 200 Pfeffersprays, die sie anlässlich des Frauentages vor dem Parlament verteilten, wurden ihnen aus den Händen gerissen – Protest von Frauen, die leer ausgingen, inklusive.

Die nicht nur wegen der zu wenig vorhandenen Pfeffersprays missglückte Aktion ist jedoch nicht die erste, die in diese Richtung geht. Im Jänner verteilten Wiener ÖVP-Mandatare rund um Parteichef Gernot Blümel Alarmgeräte für Frauen auf dem Praterstern, nachdem dort einige Tage zuvor ein Asylwerber eine Frau vergewaltigt hatte.

Ist das die Antwort der Politik auf die Ereignisse in Köln? Müssen Frauen nun bewaffnet werden? Fühlen sich die – vornehmlich männlichen – Abgeordneten in ihrer Rolle als Beschützer auf diesem Weg wieder? Immerhin ist seit der Silvesternacht eine Debatte darüber entbrannt, wo die "deutschen Männer" sind, um "ihre Frauen" zu schützen.

Wahllos Pfeffersprays zu verteilen ist aber nicht nur schlechter Populismus. Damit wird auch Politik auf dem Rücken der Frauen gemacht, die als wehrlose Opfer dargestellt werden. Die Kriminalstatistik zeigt zudem, dass kein signifikanter Anstieg bei Anzeigen von Gewaltdelikten vorliegt. Die meisten passieren außerdem in den eigenen vier Wänden. Ja, trotzdem ist jeder Vorfall einer zu viel.

Die Politik sollte aber nicht versuchen, ihr Selbstbewusstsein wiederzugewinnen, indem sie Ängste schürt. (Rosa Winkler-Hermaden, 7.3.2016)

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