Post verkauft Transoflex: Altlasten und neue Risiken

Kommentar7. März 2016, 18:02
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Jahr für Jahr schmolz der Firmenwert, während Millionen in Anlagen und Sanierung flossen

Im Jahr des Börsengangs war der Kauf von Transoflex in den höchsten Tönen gepriesen worden. Das damalige Post-Management tat so, als wäre der deutsche Pharma-Logistiker der Heilsbringer für die Internationalisierung der soeben teilprivatisierten Österreichischen Post AG.

Das war es dann aber auch schon. Wie viele andere kleinere Zukäufe in Zentral- und Südosteuropa erwies sich Transoflex als völlig überschätzt – vor allem finanziell.

Denn im Gegensatz zu den zwergenhaften Werbemittelverteilern und Paketzustellern in den EU-Erweiterungsländern, die der gelbe Riese quasi aus der Portokasse zahlte (und wieder verkaufen oder zusperren konnte), wuchs sich Transoflex aus. Jahr für Jahr schmolz der Firmenwert, während Millionen in Anlagen und Sanierung flossen. Dabei war lang vor der Expansion nach Deutschland klar, dass der dortige Zustellmarkt überbesetzt ist. Hauptgegner ist niemand Geringerer als Exmonopolist Deutsche Post AG.

Nun hat Post-Chef Georg Pölzl die letzte von seinem Vorgänger geerbte Deponie ausgehoben. Gefragt sind nun alternative Ertragsquellen, denn mit dem schrumpfenden Inlandsbriefgeschäft wird der letzte große Dividendenbringer des Finanzministeriums wohl nicht reich. Staatliche Postgesellschaften im Osten sind keine Alternative. Sie haben zu viele Beamte und kaum Gewinne. Die Türkei als Hoffnungsmarkt scheint angesichts der aktuellen geopolitischen Lage allerdings nicht weniger riskant als Transoflex. (Luise Ungerboeck, 7.3.2016)

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