Post ist ihr Problemkind Transoflex los

7. März 2016, 17:57
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Für ihr langjähriges Sorgenkind in Deutschland, Transoflex, kann die gelbe Post kaum Verkaufserlöse erwarten

Wien – Vor knapp einem Jahr wollte Post-Chef Georg Pölzl seinen Dauerpatienten Transoflex nur mit einem starken Partner verkuppeln. An einen Verkauf des Speziallogistikers für Pharmaprodukte sei nicht gedacht. Nun ist alles anders und die gelbe Post ist Transoflex nach zehn Jahren und zahlreichen Anläufen zu Sanierung und Neuaufstellung los.

Käufer sind die Familie Amberger, Alleingesellschafterin des bayerischen Logistikunternehmens Loxxess aus Tegernsee, und Gebrüder Schoeller. Sie hatten Transoflex vor 1995 erworben, saniert und 1998 teilweise an die Deutsche Post verkauft. Als das deutsche Kartellamt die Vollübernahme durch die Deutschen untersagte, ging Transoflex an einen Finanzinvestor, von dem es die österreichische Post erwarb.

Kaum Verkaufserlös zu erwarten

Nennenswert Geld dürfte der von den deutschen Kartellbehörden abhängige Abverkauf nicht einspielen, sonst hätte die Post, die Transoflex 2014 noch mit rund hundert Millionen Euro in ihren Büchern hatte, im Jahr 2015 inklusive Sanierungskosten nicht 132 Millionen Euro an Wertberichtigungen eingestellt; von diesen sind 125,8 Millionen Euro Transoflex geschuldet sind.

Dem steht im operativen Ergebnis (Ebit) der Österreichischen Post AG in der Bilanz 2015 ein Sondereffekt von 23 Millionen Euro gegenüber, der sich aus dem Vergleich mit dem Finanzministerium ergibt, der vor Weihnachten geschlossen wurde: Die Post bekommt 23 Mio. Euro und damit ist der mehr als zehn Jahre währende Streit über zu viel bezahlte Pensionsbeiträge beigelegt (der STANDARD berichtete). Netto bleiben vom ausgewiesenen Ebit von 198 Mio. Euro daher nur 89 Mio. Euro übrig. Das um Sondereffekte bereinigte Periodenergebnis macht mit 71,6 Mio. Euro ziemlich genau die Hälfte des gesamten Jahresüberschusses aus, der mit 142,2 Mio. Euro wiederum fast genau gleich hoch ausfiel wie im Jahr davor (146,8 Millionen Euro).

Sondererlöse und Wettbewerb

Zur Erinnerung: 2014 hatte es ebenfalls Sondererlöse gegeben (62 Millionen Euro aus dem Verkauf der früheren Unternehmenszentrale in der Wiener Postgasse und rund 58 Millionen Euro an Wertminderungen und Strukturmaßnahmen), die den operativen Gewinn (Ebit) auf knapp 193 Millionen Euro gedrückt hatten. Die endgültigen Ergebnisse und die Dividende für das Geschäftsjahr 2015 gibt die Post am Donnerstag bekannt.

Insgesamt dürfen die Zahlen als Ausdruck scharfen Wettbewerbs gesehen werden: Der Umsatz stieg um 1,68 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, wobei die traditionelle Cash-cow (Brief, Werbepost und Filialen) mit 1,5 Mrd. Euro stagnierte. Der heiß umkämpfte Paketsektor legte volumensmäßig um acht Prozent auf 80 Millionen Pakete zu, was im Umsatz ein Plus von knapp drei Prozent auf 900 Millionen Euro bedeutet, teilte die Post mit. (ung, 8.3.2016)

  • Ohne das Sorgenkind Transoflex hat Post-Chef Georg Pölzl leicht lachen. Er kann sich nun voll dem Zukunftsmarkt Paketzustellung widmen.
    foto: apa / herbert neubauer

    Ohne das Sorgenkind Transoflex hat Post-Chef Georg Pölzl leicht lachen. Er kann sich nun voll dem Zukunftsmarkt Paketzustellung widmen.

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